Konzertkritiken

Im Dialog: Haydn und Mozart, 08. Oktober 2016, Stadthalle Weinheim

Wunderwelten in raffinierten Farben

[...] Im vergangenen Jahr musste sich Fey nach einem schweren Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma aus der Musikwelt zurückziehen. Seitdem tritt das rund 30-köpige Ensemble mit renommierten Gast-Dirigenten auf. Beim Konzert in Weinheim war es der gebürtige Westfale Sebastian Tewinkel. Der Generalmusikdirektor der Neubrandenburger Philharmonie, der 2012 den Echo Klassik erhielt, gilt als ein hochgradig sensibler Dirigent, der den Klang förmlich mit den Händen greift. Mit dem 1986 in Augsburg geborenen Cellisten Maximillian Hornung präsentierten die Heidelberger Sinfoniker einen Weltstar. Die „Zeit“ schrieb über Hornung: „Er ist von einem anderen Stern, ein Frühvollendeter mit der Abgebrühtheit eines Routiniers“. 2011 erhielt der junge Cellist, als Nachwuchskünstler des Jahres, den begehrten Echo Klassik und wurde mit gerade einmal 23 Jahren erster Solo-Cellist beim Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunkes. Dass ein so geballtes Maß an virtuosen Musikern in der nur zu einem Drittel besetzten Stadthalle spielen musste, war ein echter Jammer.

Diejenigen, die gekommen waren, sparten jedoch nicht mit enthusiastischem Zwischenapplaus und lauten Bravorufen. „Im Dialog Haydn und Mozart“, lautete das Motto. Denn der 1732 geborene Haydn sah in dem 25 Jahre jüngeren Mozart ein Ausnahmetalent, während der junge Mozart seinen Freund „Papa Haydn“ als Vorbild betrachtete.

Zu Beginn des Konzertes stand Haydns Sinfonie Nr. 83 in g-Moll auf dem Programm. Die Heidelberger Sinfoniker bestachen vom ersten Ton an mit ihrem ausdrucksstarken Musizieren, an dem der Dirigent Sebastian Tewinkel mit seinem ebenso intuitiv wie überlegten Dirigat einen erheblichen Anteil hatte. Bezeichnend war an diesem Abend auch die gleichberechtigte Zusammenarbeit der Orchestersolisten. Bis ins 19. Jahrhundert war Joseph Haydn mit seinem Violoncello-Konzert Nr. 1 in C-Dur der einzige Komponist mit einem Solo-Konzert für Cello. Es war an diesem Abend eine Freude, den charismatischen Cellisten Maximillian Hornung zu erleben, der mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und jugendlicher Leidenschaft spielte und mit einer Intensität faszinierte, wie man sie wohl selten erlebt.

Der Höhepunkt war zweifellos das anschließende Konzert für Violoncello und Streicher des 1936 in Georgien geborenen Komponisten der Gegenwart Vaja Azarashvili. Die Idylle, die dieses filmusikartige Werk ausstrahlt, verlangt vom Solisten ein gehobenes Maß an Virtuosität.

Der 30-jährige Maximillian Hornung wirkte trotz seines enormen Könnens auf sympathische Art bodenständig. Seine gebannt lauschenden Zuhörer entführte er in musikalische Wunderwelten mit raffinierten Klangfarben. Für den tobenden, nicht enden wollenden Beifall des Publikums bedankte sich der Ausnahme-Cellist mit einem temperamentvollen Bach-Solo. Mozarts Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, durch die sich die düstere Stimmung des Komponisten wie ein roter Faden zieht, die jedoch als Favorit der Klassikwelt gilt, bildete das Finale.

Die Heidelberger Sinfoniker bestachen auch hier mit ihrem exzellenten, einfühlsamen Zusammenspiel und ihrer sensiblen Dynamik-Abstufung, dank der souveränen Leitung ihres Dirigenten Sebastian Tewinkel. Das Publikum bedankte sich am Ende mit tosendem Beifall für ein grandioses Konzert.

Weinheimer Nachrichten, 10.10.2016

Kurpfälzisches Arkadien, 9. September 2016, Peterskirche Heidelberg

Heidelberger Sinfoniker spielten unter Reinhard Goebel Werke der Mannheimer Schule

Tiefer Ernst und fröhlicher Lärm - Ehrung für Komponist Uwe Lohrmann

Die Ferien waren noch nicht zu Ende, da begann in Heidelberg bereits die neue Konzertsaison: Die Sinfoniker musizierten in der Peterskirche Werke der Mannheimer Schule unter der Leitung von Reinhard Goebel. Das Programm war zwar im Januar bereits in Mannheim zu hören, es wurde aber hier nun um einen gewichtigen Beitrag erweitert, ein Werk des in Heidelberg beheimateten Komponisten Uwe Lohrmann, der exakt in drei Monaten seinen 80. Geburtstag feiert.

Die Stadt Heidelberg würdigte einen Musiker, Pädagogen, Organisten und Dirigenten, wie Bürgermeister Dr. Joachim Gerner in seiner Laudatio betonte, der das Musikleben seit 1960 durch zahlreiche Aufführungen und Uraufführungen bereichert hat. Voll des Lobes war Gerner auch für die 1994 gegründeten Heidelberger Sinfoniker, deren Engagement und Einsatz für die Historische Aufführungspraxis der Redner hervorhob.

[...] Als Komponist der Klassischen Moderne verbunden, kam jetzt der erste Teil seines Auftragswerks "Der Opfer Hiroshimas gedenkend", das zum 60. Jahrestag des Atombombenabwurfs in der japanischen Stadt uraufgeführt worden war. Timo Jouko Herrmann leitete eine tief ernste Wiedergabe dieses eindringlichen Stücks für doppeltes Streichorchester und Solovioline, die Konzertmeister Wojciech Garbowski behutsam in die Klangtextur einflocht.

Es war nicht die erste zeitgenössische Komposition, die die Heidelberger Sinfoniker realisierten, ein Orchester, das sich vornehmlich auf barocke und klassische Werke spezialisiert hat. Die Kompetenz der Musiker und ihre bemerkenswerte Klangdifferenzierung zeigten sich so auch hier. Die Wirkung des Stücks in der halligen Akustik der Peterskirche war jedenfalls hoch beeindruckend und wurde mit viel Beifall bedacht. [...]

Erstaunlich war die Musik zu Shakespeares "Hamlet", die der Musiktheoretiker und Komponist Georg Joseph Vogler um 1778 schrieb und die klanglich und satztechnisch mit dramatischen Unisono-Passagen und verwegenen harmonischen Fortschreitungen weit in die Romantik vorgreift. Da wetterleuchtet quasi schon Carl Maria von Weber, ein späterer Schüler Voglers, durch die Wolfsschluchten der Musikgeschichte.

Der Klarinettist Nemorino Scheliga [...] war der Solist im Klarinettenkonzert B-Dur von Johann Wenzel Anton Stamitz, das ohne Dirigent gespielt wurde und die grandiose Musikalität des Solisten genauso zeigte wie die seiner Mitmusiker.

Eine Sinfonie von Christian Cannabich, eine Sinfonia Concertante für zwei Klarinetten und Flöte mit Orchester von Johann Christian Bach und schließlich die mit zusätzlichen Trompeten und Pauke bestückte "Pariser Sinfonie" KV 297 von Wolfgang Amadeus Mozart rundeten das Programm ab: Was für ein herrlich-fröhlicher Lärm zum Schluß!

 

RNZ, Matthias Roth, 12.09.2016

Festliche Neujahrskonzerte "Tierisch gut!", 1. Januar 2016, Stadthalle Heidelberg

Neujahrskonzert der Heidelberger Sinfoniker: Süße Sünden in sahnigem Sound

"Tierisch gut ins Neue Jahr" ging es beim festlichen Neujahrskonzert der Heidelberger Sinfoniker [...]

Wie auf Moos gelagert klang die Szenerie der mit Dämpfer musizierenden Violinen: eine liebliche, friedliche Stimmung wurde dabei ausgebreitet, bestens geeignet, um sich ins Gras zu legen und dem Summen der Bienen zu lauschen. Schönste Idyllik in warmen Farben und träumerischer Atmosphäre eröffneten die Sinfoniker unter ihrem Gastdirigenten Stefan Klingele.

Dass dieses Orchester auch mal ohne Dirigent gekonnt musizieren kann, wurde deutlich gemacht im Scherzo aus Haydns Sinfonie Nr. 82 "Der Bär", als Klingele am Cellopult Platz nahm und die Sinfoniker gewähren ließ. Über den Bordunklängen spielten diese lustvoll rustikal und klangsatt zum Bärentanz auf. Zwei Gesangssolistinnen aus Heidelberg waren wieder mit von der Partie, die vor zwei Jahren bereits beste Eindrücke hinterließen und auch nun wieder ihr Publikum begeisterten. "Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz", sang Eva Lebherz-Valentin die Arie aus Haydns "Schöpfung", ließ den Adler klangvoll leuchtend emporsteigen und das "zarte Taubenpaar" mit lieblich geschmeidigem Ton girren. Jugendliche Farbe hat die Sängerin immer noch in der schlanken und biegsamen Stimme. Burschikos und klanglich elegant sang ihre Tochter, die Mezzosopranistin Esther Valentin das Couplet des Orlowsky aus "Die Fledermaus": geschmeidig jauchzend und hicksend, immer klangschön.

Die Ouvertüre zur "Fledermaus" gab es gleichfalls: Der Dirigent liebt es, die Musik hingebungsvoll ausschwingen zu lassen, sich im Lyrischen zu suhlen, zwischen dem federnden Schwung. Im "Libellen-Walzer" sah und hörte man nicht nur das Insekt schwirren, sondern auch kleine Vögelchen tirilieren in der Piccoloflöte. Das blühte und glühte, walzerte und jubelte in den schönsten Farben.

Im Dirigat von Stefan Klingele entwickeln die Heidelberger Sinfoniker eine ungewohnt neue Seite, die sie unter ihrem Chefdirigenten Thomas Fey mieden wie der Teufel das Weihwasser: ein romantisch klangsattes Potenzial, einen sahnigen Karajan-Sound, wie er diesem Orchester immer ein Fremdkörper war.

Ja, die Sinfoniker können auch so, wenn sie wollen. An diesem Abend wollten sie und ihr Gastdirigent umso mehr. Die Auszüge aus Tschaikowskys "Schwa-nensee" tönten in üppig hedonistischem Sound und in schwelgerischer Spielweise, so dass man ein neues Orchester vor sich wähnte. Nun, den Musikern sei es auch mal gegönnt, mit reichem Vibrato und großem Ton aufzutrumpfen. Einmal im Jahr darf man sündigen. Für seine künftige Gangart sollte man sich aber auf seine Tugenden besinnen.

RNZ, Rainer Köhl, 4.1.2016

 

Mosbach, Sinfoniekonzert, 22. Oktober 2015, Alte Mälzerei

Die Heidelberger Sinfoniker mit dem Pianisten Haiou Zhang, unter Frieder Bernius in der Alten Mälzerei

Christof Roos freute sich, dass „dieses über die Region hinaus renommierte Orchester zum ersten Mal bei uns gastiert und hoffentlich nicht zum letzten Mal“. Der künstlerische Leiter der Reihe Mosbacher Klassische Konzerte bedankte sich bei Prof. Jürgen Kletti und seiner Firma mpdv, die als Sponsor diesen Auftritt ermöglich hat. Die Heidelberger Sinfoniker waren angereist und weil diese ohne Chefdirigent sind, war Frieder Bernius am Pult hochwillkommen. [...]
Mit Haydns Sinfonie Nr. 101 D-Dur „Die Uhr“ begann der Abend. Rasche Tempi, schlanker Klang, impulsreiche Gangart, so kennt man die Heidelberger Sinfoniker und so musizierten sie auch nun unter Bernius, der sehr viel Schwung und Sogkraft hineinbrachte. Sehr klar war sein Dirigat und ebenso durchsichtig war auch das Spiel der Sinfoniker. Überaus reaktionsstark und mit großem Engagement musizierten diese durchweg: dabei wurde nicht bequem zurückgelehnt, sondern an allen Pulten auf vorderster Stuhlkante musiziert. Bei aller Verve tönte dies immer leicht und schwerelos, unforciert. Delikate Holzbläsersoli ließen aufhorchen im „Andante“, über entspannt tickendem Uhr-Rhythmus der Streicher. Äußerst lustvoll, in federndem Elan und mitreißendem Drive fegte das Finale einher. Mit dem chinesischen Pianisten Haiou Zhang haben die Heidelberger Sinfoniker in der Vergangenheit bereits paarmal musiziert. Auf Augenhöhe und auf gemeinsamer Linie zeigten sich das Orchester und der in Hannover ausgebildete Pianist auch nun bei Mendelssohns Klavierkonzert Nr.2, d-Moll, op. 40. Einig waren sich beide Partner in einem Spiel von markantem Schwung und virtuoser, herausfordernder Lust. Attackenreiche Bravour wusste der Pianist bestens mit inniger Poesie im Lyrischen zu kontrastieren. Große Rhetorik entfaltete Zhang im langsamen Satz, den er mit ausdrucksvoller Gesanglichkeit erfüllte. Kristallklare Anschlagskunst brachte er immer in sein sehr souveränes, technisch makelloses Spiel. In Hochstimmung kam das Finale bei dem Überschwang, den der Solist und die Sinfoniker entwickelten, wobei quirlig gewitzter Geist mit leidenschaftlicher Musizierlust in schönstem Wettstreit waren. [...]
Die "Reformationssinfonie" Mendelssohns beschloss den Abend. Leidenschaftlich dramatisches Brio und stürmender Elan bestimmte das Spiel im Kopfsatz, gefolgt von aufgeräumtem Scherzogeist im zweiten Satz. Wunderbar beseelte Idyllik hörte man im Trio, der Dirigent ließ das Orchester atmen, die Farben blühen. Ohne alle weihevolle Inbrunst ertönte das Finale mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“, vielmehr gewann dies erhebende Wirkung durch den großen Schwung, den das Orchester dabei entfaltete. Mit der Zugabe des innig beseelten „Andante“-Satzes bedankten sich das Orchester und Dirigent von ihrem Publikum, das sich sichtlich begeistert zeigte. Fortsetzung erwünscht!
Heidelberger, Sinfoniekonzert, 18. Oktober 2015, Kongresshaus Stadthalle

Heidelberger Sinfoniker und Dirigent Frieder Bernius: Ein gutes Gespann

Heidelberger Sinfoniker spielten unter der Leitung von Frieder Bernius Haydn und Mendelssohn in der Stadthalle

[...]

Die Heidelberger Sinfoniker, derzeit ohne Chefdirigenten, holten Bernius in die Stadthalle, wo Werke von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm standen. Haydns D-Dur-Sinfonie Hob. 101 mit dem Beinamen "Die Uhr" brauchte ein bisschen, bis sie gut im Takt lief. Aber deutlich wurde doch sogleich mit der Adagio-Einleitung, dass Frieder Bernius und die Sinfoniker ihre Kreativität aus derselben Quelle schöpfen: die historisch informierte Aufführungspraxis, die es auch mit meistenteils modernem Instrumentarium schafft, ältere Musik ihrer Zeit angemessen zu interpretieren. So klang dieser Haydn transparent und facettenreich, im Mittelteil des Andante, dessen Ticktack-Motivik dem Werk den Beinamen einbrachte, auch mit unerbittlichem Military Sound. Die Soloflöte im Menuett-Trio, aber auch Fagott und Oboe traten mit Eleganz im Ton und sicherer Leichtigkeit in der Artikulation hervor.

Schlank im Gesamtklang geriet auch Mendelssohns Musik, zunächst im Klavierkonzert Nr.2, d-Moll, op. 40. Der in Peking und Hannover ausgebildete Haiou Zhang gestaltete genauso virtuos wie poetisch und formte die Melodien im Adagio-Mittelsatz mit erlesen feinen Rubati. Die Sinfoniker unter Frieder Bernius begleiteten mit zartem Mozart-Ton, was dem Werk außerordentlich gut bekam. Zhangs perlende Virtuosität zahlte sich vor allem im Finalsatz aus, wo seine flinken Finger auch die Oktav-Achtel in der Linken sauber akzentuierten. Zwei solistische Zugaben setzten diesem Tastengeflimmer noch die Sahnehäubchen auf: Vor allem jener bekannte Marsch berauschte die Zuhörer, den Mozart aus der Türkei zu Fazil Say brachte, bevor ihn Haiou Zhang bearbeiten und nun in Heidelberg uraufführen konnte: Ein Funken sprühendes Tastenfeuerwerk. Die "Reformationssinfonie" Mendelssohns beschloss den Abend. Frieder Bernius gelang eine bemerkenswerte Balance von Sinfonik und Kirchenstil, eine Verbindung, mit der der Komponist selbst am Ende eher unzufrieden war. Hier jedoch klang das Werk überzeugend gerade in der Assimilation der unterschiedlichen Ausdrucksformen, die sich im großen Choralfinale zu einem außerordentlich dichten Ganzen steigerten. Dirigent Frieder Bernius und die Heidelberger Sinfoniker machten deutlich, dass sie hervorragend zueinander passen: Der über viele Jahre erarbeitete Klang des Orchesters und der agile Dirigierstil und große Ausdruckswille des Dirigenten ergänzten sich perfekt, ohne dass sich einer von beiden besonders verbiegen musste. Ein gutes Gespann. Auf eine weitere mögliche Zusammenarbeit kann man sich freuen.

Rhein-Neckar-Zeitung, 20-10-2015

Holzminden, Sinfoniekonzert, 13. März 2015 Stadthalle

Glanzvolle Jagd ohne Schüsse

Die Heidelberger Sinfoniker und ein Meister des Jagdhorns in der Stadthalle Holzminden

In der Veranstaltungsübersicht 2014/2015 des Kulturvereins kündigte der Eintrag für das vierte Abonnementskonzert Ungewohntes an. Die Heidelberger Sinfoniker haben noch nie in unserer Region gespielt. Was hat die Jagd, was hat ein Naturhorn in einem klassischen Symphoniekonzert zu suchen? Und wer ist eigentlich Antonio Rosetti? Am Ende des Abends zeigte das Publikum in der Stadthalle den Künstlern mit einer Standing Ovation: Es war ein tolles Musikerlebnis, eines von jenen, an die man sich lange erinnert.   

Um mit dem merkwürdigen Soloinstrument mit seiner vielfach gewundenen Röhre anzufangen, dessen Schalltrichter der Spieler mit der rechten Hand stopft und das er immer wieder drehend wenden muss, um das beim Blasen entstehende Kondenswasser zu entfernen: Es ist schon erstaunlich, welch klare, helle Töne es hervorbringt, wenn es von einem Meister wie Wilhelm Bruns gespielt wird. 

Noch erstaunlicher, wenn er erklärt, dass er die Mehrzahl dieser Töne nur durch die genau kontrollierte Spannung der Lippen und dank der vielfältigen Möglichkeiten, den Tontrichter teilweise zu stopfen, hervorbringt. Etwas weniger erstaunlich wird es, wenn man bedenkt, dass man selbst beim Singen  ja auch die unterschiedlichen Töne durch das Regulieren der Spannung der Stimmbänder, der Mundhöhle und der Lippen hervorbringt. Doch dieser Vergleich bedeutet wiederum, dass für einen Meisterhornisten wie Bruns das Instrument, das er seit 40 Jahren spielt, quasi zum Körperteil geworden ist.

Zu der Zeit, als Mozart und Haydn ihre Hornkonzerte komponierten, gab es nur das Naturhorn. Eine Generation später wurde dieses im Orchester durch das für ein breiteres musikalisches Spektrum geeignete, aber weniger glanzvoll klingende Ventilhorn verdrängt.  Diese Werke jetzt mit dem Original-Soloinstrument des 18. Jahrhunderts zu hören, war ein ganz besonderer Genuss.

Wilhelm Bruns war der Star des Abends, doch natürlich spielten die Heidelberger Sinfoniker unter der schwungvollen Leitung des Gastdirigenten Sebastian Tewinkel die tragende Rolle im Programm. Dieses wurde eröffnet und geschlossen mit zwei fast gleichzeitig komponierten Sinfonien, beide in D-Dur und beide „La Chasse“ benannt: die Sinfonie Nr.73 von Joseph Haydn und die Sinfonie M.A.13 von Antonio Rosetti. In beiden sind die Horn-Fanfaren, die diese Bezeichnung begründen, erst im letzten Satz zu hören.

Im ersten Satz von Haydns Sinfonie herrscht ein Motiv vor, das eine überraschende Ähnlichkeit zum „Schicksalsmotiv“ im ersten Satz von Beethovens 5. Sinfonie aufweist. Bei Haydn wirkt es jedoch beschwingt und heiter, ohne jede Spur von Beethovens Pathos. Die Sinfonie M.A.13 von Antonio Rosetti besticht vor allem durch ihre fantasievolle Instrumentierung. Besonders wirkungsvoll ist das Wechselspiel im zweiten Satz zwischen choralartigen Passagen der Holzbläser und dem leise gezupften Spiel der Streicher.

Weit ausgeprägter als der stilistische Unterschied zwischen diesen beiden Meistern der Frühklassik ist der Kontrast zwischen ihren Rezeptionsgeschichten. Während Haydns Ruhm nie verblasste, geriet Rosetti völlig in Vergessenheit. Er kam erst wieder ins Visier der Musikwelt, nachdem 1992 zur Feier seines 200.Todesjahres die Antonio-Rosetti-Gesellschaft gegründet wurde. Seitdem überstürzen sich die Tonträger-Aufnahmen und Live-Aufführungen seiner Werke.

Täglicher Anzeiger Holzminden, 17.03.2015

Heidelberg, Sinfoniekonzert, 22. November 2014, Kongresshaus Stadthalle

„Ein Kulturbotschafter der Stadt“

Heidelberger Sinfoniker feierten 20-jähriges Bestehen ohne ihren Chefdirigenten Thomas Fey – OB Würzner lobte „fantastische Arbeit“

Es gab viele Premieren an diesem Abend in der Stadthalle: Zum einen spielten die Heidelberger Sinfoniker erstmals nicht unter ihrem Gründer und Chefdirigenten Thomas Fey, der sich wegen eines Unfalls immer noch in der Klinik befindet. Zum anderen wagten sich die Sinfoniker aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens an eine Sinfonie von Robert Schumann. Und zum Dritten sprach Oberbürgermeister Eckart Würzner beim anschließenden Empfang über dieses „tolle Orchester“ und die „fantastische Arbeit“, die Thomas Fey hier lange Zeit geleistet habe.

Timo Jouko Herrmann war der eigentliche Retter dieses Jubiläumsauftritts, und es ist bemerkenswert, dass er als einspringender Dirigent alle Programmpunkte wie vorgesehen realisieren konnte. Er hielt das Orchester gut zusammen, konnte es befeuern und zu einem geschmeidigen, bisweilen samtigen Klang animieren. Hier unterschied er sich musikalisch vielleicht am ehesten vom seinem Freund Thomas Fey, der es gerne kratziger, kantiger mag.

Mit Konzertmeisterin Ariane Volm zeigten sich die Sinfoniker auch ohne Chef als ein konzentriert aufspielendes Team, in dem sich jeder Musiker nicht allein solistisch zu positionieren weiß, sondern stets das Ganze im Auge hat. Die präzise Vorbereitung war dabei ebenso erkennbar (etwa am exakt koordinierten Auf- und Abstrich der Streicher und der bewussten Artikulation der Einzelstimmen) wie das gelöste Musizieren (in der Mendelssohn- Ouvertüre zu „Ruy Blas“).

Musikalische Routine war nie eine Eigenschaft, die sich die Sinfoniker auf die Fahne schrieben. Es ging ihnen immer um die Neuentdeckung auch von Altbekanntem. In diesem Fall um die frühe Fassung von Schumanns Vierter Sinfonie, die zusammen mit seiner Ersten 1841 entstand, also zehn Jahre vor der Überarbeitung, die Schumann später als Vierte edierte. Diese Erstfassung erlebte in den letzten Jahren eine kleine Renaissance. Unter anderem setzte sich Simon Rattle für sie ein. In Heidelberg wurde sie vom Philharmonischen Orchester vor circa einem Jahr vermutlich das erste Mal überhaupt gespielt, was damals allerdings ohne große Aufmerksamkeit vonstatten ging. Jetzt ließen die Sinfoniker sie hören. Die Besetzung ist zwar identisch, allerdings ist die Instrumentation filigraner, auch manche Übergänge sind später neu komponiert worden. Den Hauptunterschied machte aber die auffallende Abhängigkeit vom Klavier aus, die Schumann später durch sinfonischere Instrumentation kaschierte: Häufig klingt diese Frühfassung wie eine direkte Übertragung von Klaviergedanke auf den Orchesterapparat. Die Heidelberger Sinfoniker unter Herrmanns anfeuernder Leitung präsentierten das Werk als interessanten, vollgültigen Baustein in Schumanns sinfonischem Schaffen.

In der ersten Hälfte des gut besuchten Konzertabends hörte man Beethovens Viertes Klavierkonzert mit dem Solisten Martin Stadtfeld. Dieser hat schon öfter mit den Sinfonikern musiziert und schätzt das Orchester sehr, wie er in dem Gespräch nach dem Konzert beteuerte. So fiel auch hier der gute Kontakt des Pianisten zu Dirigent und Orchester besonders auf. Stadtfeld fasste den Kopfsatz sehr sinfonisch auf und gestaltete seinen eigenen Part quasi aus der Ornamentik heraus. Diese Poesie stand auch in den folgenden Sätzen im Vordergrund, der Pianist zauberte Farben und das Orchester folgte eloquent und einfühlsam. Virtuosität erschien hier weniger auftrumpfend als verinnerlicht, was auch die Zugabe prägte: Schumanns „Der Dichter spricht“ folgte nach begeistertem Applaus Stadtfeld und die Sinfoniker zeigten sich an diesem Abend in besonderer Weise einig, und so war es kein Wunder, dass der berühmte Solist es sich nicht nehmen ließ, die Schumann-Sinfonie vom Rang aus zu verfolgen und den anschließenden Empfang zu besuchen.

OB Würzner war offenbar ebenso entzückt von dem Konzertevent. Auch wenn die Sinfoniker „nicht unser Orchester“ seien, so das Stadtoberhaupt, so würden sie doch als „Botschafter der Stadt“ in der ganzen Welt gehört. Michael Neuhaus, Erster Kontrabassist und Gründungsmitglied der Sinfoniker, freute sich über dieses Lob des Oberbürgermeisters, fügte aber hinzu, dass hinter solchen Worten auch Taten stehen sollten: Es bedürfe „einer Stadt, die wirklich hinter ihrem Kulturbotschafter steht, ihn entsprechend stabil unterstützt und ihn nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung und Ergänzung zum bestehenden städtischen Kulturleben und Stadtischen Orchester betrachtet“. In der Tat: Es wäre zu wünschen, dass die Stadt ihre derzeit ausschließlich verbale Unterstützung überdenkt. Denn auch wenn die Stadtbediensteten dieses Orchester nicht als „ihres“ ansehen mögen – die Heidelberger Musikfreunde tun es längst.

Von Matthias Roth, Rhein-Neckar-Zeitung, 24. November 2014

Großmeister in Sachen Sensibilität

Naturgemäß galten die Gedanken am Konzertabend Thomas Fey, der nach einem Unfall den Taktstock Timo Jouko Herrmann überlassen musste. Doch dieser Musiker ist den Heidelberger Sinfonikern schon lange verbunden, und sein Dirigat gab dem Orchester sicheren Halt und jene Inspiration, die das Spiel des Klangkörpers immer aufregend frisch und gleichzeitig durchdacht aufleuchten lässt.

Beim Jubiläumskonzert - 20 Jahre Heidelberger Sinfoniker - standen Klassiker auf dem Programm. Haydns Ouvertüre zum Oratorium "Die Schöpfung" blühte aus den seidenzart gedämpften Streichern auf; geheimnisvolle Ruhe und feine Färbungen durchzogen die Wiedergabe. Die selten zu hörende Ouvertüre zu "Ruy Blas" von Felix Mendelssohn Bartholdy lebte vom hochherzigen Idiom des Komponisten und gönnte dem Hörer einen glänzenden Bläsersatz ebenso wie ausgezeichnete Transparenz auch während der Tutti-Passagen. Bei Schumanns vierter Sinfonie, in der von Brahms favorisierten Urfassung gespielt, fiel die innige Verklammerung der unterschiedlichen Stimmungsgehalte auf; weitgehend ohne Vibrato erscheint der Klang immer klar und akzentuiert; Orchester und Dirigent entwarfen ein attraktives sinfonisches Gemälde voller Fantasie und Zuwendung.

Brillanter Martin Stadtfeld

Doch die größte Faszination ging von Beethovens viertem Klavierkonzert aus, denn der Solist Martin Stadtfeld hat wieder einmal als Großmeister der Sensibilität geglänzt. Wie mit dem Zauberstab stellt er die ersten Klaviertakte vor, edel, poetisch und rein. Damit gibt er den Grundton vor, der die Interpretation so nuancenreich durchzieht.

Stadtfeld beherrscht die Kunst des Klaviergesangs wie kaum ein anderer. Er gestaltet das Stück einfach wunderschön und deutlich individueller als üblich - und das Orchester geht sehr gut auf ihn ein. Es ist schon ein Glücksfall, wenn ein bekanntes Werk neu gehört werden darf. Der Poet am Klavier spielte noch Schumanns "Der Dichter spricht" als Zugabe. Das Publikum war begeistert und wünscht Thomas Fey baldige Genesung.

Von Eckhard Britsch, Mannheimer Morgen, 25. November 2014

Offenburg, Sinfoniekonzert, 3. Mai 2014 Oberrheinhalle

Virtuoser Wechsel des Orchesterklangs

Die Heidelberger Sinfoniker und der Pianist Haiou Zhang sorgen für einen glänzenden Saisonabschluss der Oberrheinkonzerte.

Die Heidelberger Sinfoniker unter der Leitung von Thomas Fey sind ein sehr homogen agierender Klangkörper. Da reagiert jeder auf den anderen und im Zusammenspiel mit dem Pianisten ist das Kammerorchester ebenfalls sensibel. Bekannt ist das Ensemble für die historische Aufführungspraxis von Werken der Wiener Klassik. In der Oberrheinhalle gaben sie im Rahmen des letzten Abo-Konzertes der Saison in der Kammermusikreihe eine Kostprobe ihres Könnens zusammen mit dem 30-Jährigen bereits weltweit konzertierenden chinesischen Pianisten Haiou Zhang.

Es bietet sich ein hoch spezifisches Klangbild, drei Werke liegen auf den Pulten – von dem weniger bekannten Antonio Rosetti (1750 bis 1792), einem Zeitgenossen Mozarts, die Sinfonie g-Moll, von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) das Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur und schließlich die Sinfonie Nr. 5 von Franz Schubert (1797 bis 1828).

Die zeitliche Entwicklung innerhalb dieser Musikperiode wird in der Spielweise hörbar. Leicht beschwingt beginnt das Konzert, in feinfühligem Musizieren, das zweite Thema im ersten Satz wird deutlich abgesetzt. In der Durchführung liegt etwas Zwingendes, bewegtes Spiel ist im Orchester. Der zweite Satz ist getragener, auch hier fällt leichtes Spiel auf, das in der Dynamik stets sehr differenziert gearbeitet ist. Es ist eine Musik, die charmant daherkommt, der aber mit Mozart verglichen, das Ausloten der Gefühle weniger intensiv liegt.

Beethoven klingt mit diesem Pianisten und Orchester, das hier ohne den Dirigenten, dessen Funktion historischer Praxis gemäß der Konzertmeister übernimmt, auskommt, ebenfalls leicht, fast schon lyrisch. Die wuchtigen Klänge bleiben aus, der Pianist spielt sehr klar, glockenrein klingt es, ausnehmend musikantisch. Das Orchester greift die feinen Nuancen auf. Selbst das Adagio, das einen eher schwermütigen Beginn hat, gibt sich der Verzweiflung nicht preis, sondern wendet sich fast unvermittelt ins Hellere. Haiou Zhang nutzt die Möglichkeiten, die das Instrument bietet, so dass auch die feinsten leisen Töne noch mit einem Klangvolumen ausgestattet sind und sich die spannende Atmosphäre ins Publikum direkt überträgt. Es gibt sehr herzlichen Applaus und eine Zugabe nur für die linke Hand in Anlehnung an Beethoven. Der Komponist Franz Schmidt schrieb 1923 für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein Konzertante Variationen über ein Thema von Beethoven.

Nach der Pause folgt dann Schuberts fünfte Sinfonie. Hier kommt das Orchester in allen seinen Möglichkeiten zum Zuge. Die Bläser sorgen für eine reiche Farbigkeit. Eine sehr differenzierte Klanggestaltung macht hier reinen Hörgenuss, gegenläufige Bewegungen werden erkennbar herausgearbeitet, die Bandbreite in der Dynamik kommt voll zum Tragen, Stimmungswechsel in der Musik werden deutlich, von leicht melancholisch über Bedrohliches ins Liebliche hinein. Das Menuett ist voller Dynamik und der Schlusssatz hat ein zügiges Tempo.
Das Haus war so gut wie ausverkauft.

Von Susanne Ramm-Weber, Badische Zeitung, 06.05.2014

Heidelberg, Neujahrskonzert, 1. Januar 2014, Kongresshaus Stadthalle

Heidelberger Sinfoniker begeisterten mit Champagner-Arie die Stadthalle

Süffig gingen die "Heidelberger Sinfoniker" mit ihrem Jubiläumsprogramm "Wein, Weib und Gesang" ins Neue Jahr und feierten damit zugleich ihren 20. Geburtstag: Am Neujahrstag 1994 gaben die Sinfoniker unter Leitung von Thomas Fey mit Beethovens "Neunter Sinfonie" im Mannheimer Rosengarten ihr Debüt. Sie waren aus dem "Schlierbacher Kammerorchester" hervorgegangen.

Seither hat dieses Orchester mit zahlreichen namhaften Solisten konzertiert, in Europa, Südamerika und Japan gespielt und darüber hinaus die Sinfonien Felix Mendelsohn Bartholdys, mehr als die Hälfte aller Sinfonien Joseph Haydns sowie Werke von Mozart und Beethoven auf CD produziert. Nicht zuletzt richteten die Sinfoniker selbst nun zum 9. Mal ein Neujahrskonzert in der Heidelberger Stadthalle aus.

Mit Johann Strauß' berühmten Walzer op. 333, der das Motto dieses Konzerts abgab, eröffneten die Musiker den bunten Reigen und zeigten sich sofort mit butterweich formbarer Dynamik und ebenso geschmeidigen Rubati ausgesprochen musikantisch animiert von ihrem Dirigenten Thomas Fey, der mit ausladenden Bewegungen, aber präziser Zeichengebung die Fäden nie aus der Hand gab. Die hohe Kunst Strauß'scher Instrumentation kam hier differenziert bis ins kleinste Detail voll zur Blüte. Die spätere Champagner-Polka, der "Schatz-Walzer" oder die "Tritsch-Tratsch-Polka" ließen mit prickelnden Geigen und Holzbläsern ebenso die Korken knallen. Saftig akzentuierte das Blech. Hinreißend musiziert wurde auch in Mendelssohns flottem "Hochzeitswalzer" aus dem "Sommernachtstraum".

Gut die Hälfte des Programms widmete sich aber einer ganz anderen Musik: der ernsten Oper. Mit Mozarts "Don Giovanni", woraus man nach der Ouvertüre auch die "Champagner-Arie" des Titelhelden sowie das Duett "Là ci darem la mano" hörte, wurde schon deutlich, wie viel Potential gerade in diesem Bereich noch schlummert: Diese Auszüge machten jedenfalls Lust auf mehr! Eva Lebherz-Valentin (Sopran) und Matthias Horn (Bariton) ließen es dabei jedenfalls als Giovanni und Zerlina gehörig schmachten. Die eigentliche Überraschung aber kam mit der Ouvertüre und der Habanera aus Bizets "Carmen": Esther Valentin, Tochter der Sopranistin und noch Studierende in Köln, sang die berühmte Arie der Carmen mit hervorragend geführtem Mezzo, ließ dabei Farben leuchten und kostete Nuancen überaus gekonnt aus. Sicher und klangschön in der Höhe weiß sie auch mit sonorer Tiefe zu punkten. Das Erstaunliche aber war: Die Sängerin, die ihren ersten großen Auftritt in Heidelberg glänzend absolvierte, ist jünger als das Orchester und wird erst im Februar 20 Jahre alt! Eins ist sicher: Von ihr wird man noch hören.

Mit Wagners Vorspiel zu "Die Meistersinger" und etlichen Zugaben endete das fast ausverkaufte Konzert, das wir am Nachmittag hörten und das am Abend wiederholt wurde.

Von Matthias Roth, Rhein-Neckar-Zeitung, 02.01.2014

Weilburger Schlosskonzerte, Open-air Sinfoniekonzert 30. Juni 2013

Renaissancehof Weilburger Schloss

Mozart lässt marschieren

Um die Tonart C-Dur drehte sich die Soiree der Heidelberger Sinfoniker und des Pianisten Haiou Zhang bei den Weilburger Schloßkonzerten.

Pauken und Trompeten lässt Mozart regelrecht losmarschieren. Die Eröffnungssätze des Klavierkonzerts KV 415 und der Sinfonie KV 338, beide in leuchtendem C-Dur, tragen durchaus militärischen Charakter. Den akzentuierte das kernig pointierte Spiel der Heidelberger Sinfoniker unter Leitung Thomas Feys im Renaissancehof des Weilburger Schlosses. Die raschen Ecksätze der Sinfonie nahm Fey zupackend bei mitreißenden, aber nicht überzogenen Tempi. Ein Mozart mit Biss, der experimentiert und dabei mitunter Hörerwartungen enttäuscht.
Glänzende Triller, perlende Figurenketten bot blitzsauber Haiou Zhang. Technisch meisterte er seine Aufgabe souverän. Mitunter wirkte sein elegantes, graziles Musizieren im Vergleich zum eher rauhen Orchesterklang mit seinen ventillosen Hörnern und Trompeten sehr glatt und zurückgenommen. Schön beseelt gelangen Zhang indes die überraschenden Adagio-Einschübe des Rondos. Freien Lauf ließ er seiner Spielfreude bei seinen beiden Zugaben, einem bezaubernd stimmungsvollen Chopin-Nocturne (cis-moll) und dem morbiden Rausch der Valse Maurice Ravels.
Was sich Haydn bei seiner Sinfonie Nr. 90 C-Dur gedacht hat, erfüllten Fey und sein Orchester mitteilsam mit Leben. Da war nämlich nicht nur der zu geistreichem Scherz aufgelegte Komponist zu vernehmen, der seine Zuhörer - siehe den Scheinschluss im Finale - gerne foppt. Mehr noch der ingeniöse Geist, der mittels motivischer Verknüpfung die Einzelsätze zum Zyklus verknüpft.

Von Ulrich Boller, Frankfurter Neue Presse, 2.07.2013

Rosenheim, Sinfoniekonzert, 14. März 2013 Kultur- und Kongresszentrum

Virtuosität und Eleganz

Ganz im Zeichen Joseph Haydns stand das Meisterkonzert mit den Heidelberger Sinfonikern unter der Leitung von Thomas Fey im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim. Als Solisten spielten Wilhelm Bruns (Naturhorn) und Reinhold Friedrich (Trompete).
Selten erlebt der Zuhörer, dass die einzelnen Kompositionen jeweils derart kompakt wirken, wie aus einem Guss. Vermutlich hätte auch Haydn an Fey, der das große Orchester mit sparsam konzentrierten Gesten dirigierte, seine Freude gehabt. Übertriebene musikalische Gefühlsausbrüche und Sentimentalitäten lagen auch dem Komponisten nicht, was man gleich in der Sinfonie Nr. 99 in Es-Dur hören konnte.

Haydns Sinfonie beginnt mit einer ausdrucksvollen langsamen Einleitung, die gleichsam die Atmosphäre des langsamen Satzes vorbereitet. Im Sonatensatz hat Haydn zwei eigenständige Themen verarbeitet. Schneidende Fortissimoklänge verwandeln sich in eine sanfte Pianobewegung voller Trauer und Melancholie. Das unbeschwerte Vivace spielten die Heidelberger mit vornehmender Eleganz, die ausladenden Melodielinien der Streicher und Holzbläser im Adagio mit kontrollierter Dynamik. Kontrastierend hierzu waren das rhythmische Menuett und das brillant instrumentierte Finalrondo mit dem häufigen Wechsel der Instrumentengruppen, das den Hörern besonders gut gefiel.

Das Hornkonzert in Es-Dur KV 417 von Mozart wirkte im Vergleich zu Haydn wie eine harmlos-spaßige Ergänzung. Wilhelm Bruns spielte auf einem goldenen glitzernden, eigenartig spiralförmig gebogenen Instrument ohne Wasserklappen. Die Läufe im ersten Satz klagen bisweilen zwar noch ein wenig undeutlich, die virtuose Solokadenz aber war rein und ausdrucksvoll. Natürlich verfehlte die kurze witzige Pause im Finale beim Publikum ihre Wirkung nicht. Für die fanfarenreiche Rossini-Zugabe des Solisten bedankte sich das Publikum mit anhaltendem Applaus.

Haydns festliches Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur war ein Genuss. Reinhold Friedrich entlockte seiner silbrig funkelnden Trompete bereits im Allegro Töne voller Magie und Brillanz. Solist und Orchester harmonierten in allen drei Sätzen ausgezeichnet. Das dialogische Wechselspiel zwischen Solist und Orchester im Allegro, das andächtig pastorale Andante, schließlich die virtuose Strahlkraft des Finales begeisterten die Hörer. Friedrich spielte nicht nur makellos, sondern wippte zur Freude des Publikums zwischen den Solopassagen immer wieder vergnüglich im Takt.

Zum Abschluss spielten die Heidelberger Haydns Militärsinfonie Nr. 100 in G-Dur. Ihren Namen erhielt sie wegen des effektvollen Einsatzes von Triangel, Becken und großer Trommel inmitten des Allegrosatzes. Schön anzuhören waren die Soli der Holzbläser, ergreifend die schlichte Melodik im Allegretto, schmissig der dritte Satz mit dem Doppelschlagmotiv, sodass danach eine ältere Dame mit rührender Naivität fragte: „Warum klatscht denn keiner?“. Anhaltenden Beifall gabs dann doch noch nach dem Finalpresto. Eine schwungvolle Haydn-Ouvertüre wurde vom Publikum am Ende ebenfalls noch heftig beklatscht.

Von Georg Füchtner, Oberbayerisches Volksblatt, 19.03.2013

Heidelberg, Neujahrskonzert, 03. Januar 2013 Stadthalle - Ein Pianissimo zum Atemanhalten

Ein Pianissimo zum Atemanhalten

Festliches Neujahrskonzert der Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey in der Stadthalle

Rainer Köhl

"Märchen und Mythen" waren es, die die Heidelberger Sinfoniker und ihr Leiter Thomas Fey bei ihrem festlichen Neujahrskonzert in der Stadthalle zum Klingen brachten. Begonnen wurde der Abend mit dem Werk eines Komponisten, den man als Vollender des Mozart-Requiems kennt: Franz-Xaver Süßmayr.

"Phasma oder die Erscheinung im Tempel der Verschwiegenheit" heißt eine seiner Opern. Gar nieht so sehr verschwiegen waren die Klänge der Ouvertüre daraus, die man cingangs hörte. Dramatisch kämpferisch, heroisch und impulsiv kam sie daher. Mozarts Ouvertüre zur "Zauberflöte" schloss sich an, mit großer Sogkraft und Spannung aufgeladen, in bester Kontrastschärfe belichtet in den wechselnden Gesten.

Überhaupt war das Spiel der Sinfoniker an diesem Abend in jeder Phase mit großer Bedeutung und spannendem Sinn erfüllt. Damit gewann auch Rossinis Ouvertüre zu "La Cenerentola" sehr viel Erregung in den großangelegten Crescendowalzen. Ein Pianissimo zum Atemanhalten war das immer wieder, was Thomas Fey seinen Musikern vor den großen Steigerungen abgewann.

Aus licht-leichter und locker musizierter Anmut heraus ließ der Dirigent die ostinaten Figuren wie Raketen hochsteigen und führte sie in einen rauschhaften Sog: Ein prächtiges Feuerwerk prasselte bei den Höhepunkten hernieder. Fernab aller Routine musizierten die Sinfoniker an diesem Abend, und dadurch kamen immer wieder ungehörte Aspekte ins Spiel.

Der Johann-Strauss-Walzer "Feenmärchen" war eine rare Perle der Gattung, die märchenhaft-romantisch begann in warmem Hörner- und Harfenklang, bevor sie in einen elegant und klangsatt musizierten Walzerteil einmündete. Zwischen lässig zurückgelehntem Witz und vorwärtsdrangendem Drive sowie stringenten Beschleunigungen gewann dieses Musizieren mitreißenden Elan.

Mendelssohns Oratorium "Athalia" ist im Vergleich zu seinem "Elias" und "Paulus" bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Den biblischen Stoff konnte man schon in der Ouvertüre daraus auf plastische Weise erleben. Inbrünstige Choräle und hingebungsvolle Lyrik aktivierte das Orchester ebenso eindrucksvoll wie die dramatisch und klangsatt wogenden und heroisch aufgerüttelten Verdichtungen.

Traumhaft wie im Märchen entspannen danach die Hörner ihre Lyrik im Beginn von Webers "Freischütz"-Ouvertüre, bevor ein schwungvoll-mitreißendes Allegro aktiviert wurde. Sehr beredt ließ Thomas Fey am Pult jede Phrase ausmodellieren, bedeutungsvolle Generalpausen schürten die Spannung des Folgenden.

Heftige Stürme und Leidenschaften ließ das Orchester schließlich in der Ouvertüre zu Wagners "Fliegendem Holländer" wogen. Beredte Wechsel von Dynamik und Ausdruck brachten sehr viel Spannkraft in die Musik, und wie geschmeidig es vom Fortissimo ins Subito-Piano ging, war immer wieder atemberaubend.

Und weil Müller-Ruppert nicht nur ein gewitzter Moderator, sondem auch ein findiger Zeitgenosse ist, fand er auch textlich Verbindendes zu dem Märchen- und Mythen-geladenen Programm und der Musik. Drei Zugaben gewährten die Sinfoniker am Ende, so wie es gute Tradition ist bei diesem Orchester und an diesem Tag. Das Finale aus Mendelssohns "Athalia" erklang dabei ebenso wie der innig still musizierte langsame Satz aus Haydns Sinfonie Nr. 26. Und selbstverständlich durfte auch der Radetzky-Marsch nicht fehlen, mit straff und furios beschleunigter Schlussstretta.

RNZ, Donnerstag, 03. Januar 2013

Heidelberg, Neujahrskonzert, 03. Januar 2013 Stadthalle - Heidelberger Sinfoniker mit Schwung

Heidelberger Sinfoniker mit Schwung in der Stadthalle

Wiederhören macht Freude

Eckhard Britsch

Wie kommt es, so fragt sich der Hörer, dass altbekannte Opern-Ouvertüren dennoch frisch und unverbraucht, ja bezaubernd schön klingen, wenn die Heidelberger Sinfoniker unter ihrem Gründer und Leiter Thomas Fey in der Heidelberger Stadthalle zum Neujahrskonzert aufspielen?

Ein Grund konnte die Örtlichkeit sein, denn ein Konzertsaal wird eine zumindest andere Akustik produzieren als ein Orchestergraben im Opernhaus. Aber das wäre allenfalis die halbe Wahrheit, denn die Sinfoniker agieren einfach "spitzenmäß". Das wird schon über die Körpersprache der Musiker spürbar, und Feys Dirigat breitet die Geheimnisse der rnusikalischen Suggestion mitteilsam aus.

Mit großer dynamischer Spannweite, mit hinrei%szlig;ender Detailfreude der Instrumentalisten, mit Schwung fürs Ganze. Er hat vom Lehrer Mozart viel gelernt: Franz Xaver Sümayr, dessen "Phasma"-Ouvertüre nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Pathos und Temperament, ein bisschen "Zauberflöte" und "Don Giovanni" bündelt er locker hin zu einem optimistischen Finalmarsch. Aber der Meister konnte es doch noch besser, was sich zeigt, wenn die "Zauberflöten"-Ouvertüre in eleganter Vitalität das Wunder der Musik öffnet. Perfekt durchsichtig, mit Streicherglanz schönen Holzbläsern, klarem Blech - perfekte Wiedergabe.

Märchen und Mythen

Gewohnt heiter führt Stefan Müller-Ruppert durch den Abend. Er plaudert über Märchen und Mythen und setzt wortgewandt in fröhliches Erstaunen. Über Rossini ("Cenerentola"), Johann Strauß ("Feenmärchen"-Walzer) und Pausen-Champagner geht das Konzert über zur deutschen Romantik.

Thomas Fey spannt Felix Mendelssohn Bartholdy, Carl Maria von Weber und Richard Wagner zusammen, was deswegen witzig ist, weil er eigentlich Wagner nicht richtig leiden mag, wegen dessen Anleihen bei den Kollegen. Doch die "Holländer"-Ouvertüre führt Thomas Fey mit sicherer Hand durch des Meisters stürmische See, der "Freischütz' wird toll ausmodelliert, und Mendelssohns "Athalia" ist ein wunderbares Stück.

Und so dürfen sich alle schon jetzt auf das nächste Neujahrskonzert freuen, weil die Heidelberger Sinfoniker immer eine hohe Punktzahl erreichen.

Mannheimer Morgen, Donnerstag, 03. Januar 2013

Münster, Benefizkonzert, 11. Mai 2012 Großes Haus

Heidelberger Sinfoniker – Haydns Sturm und Drang

Das Benefizkonzert der Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey in Münsters Großem Haus zugunsten des Prostata-Zentrums der Uniklinik schien von Abenteuern gebührenden Sicherheitsabstand zu nehmen. Werke der Klassiker-Heiligen Haydn und Mozart standen auf dem Programm. Aber – es kam anders.

Es begann mit der Londoner-Sinfonie Nr. 102 B-Dur von Joseph Haydn, eigentlich ein Opus im klassischen Maßanzug. Nur eine Violinistin am hinteren Pult bot einen beinlangen Schlitz im Kleid: Soviel verwegene Koketterie erinnerte an Haydns frühere, explosive Sturm-und-Drang-Sinfonien.

Daran schien auch der rasante Impetus, mit dem Dirigent und Orchester durch die Partitur stürmten, anzuknüpfen. Hörbar an historischer Aufführungspraxis orientiert, fauchten Blechbläser aufrührerische Akzente, erzitterten Paukenwirbel wie kleine Erdbeben. Der Kopfsatz entwand sich aller Beherrschung, im Adagio rührte die Pauke die Kriegstrommel, das Menuett schien für die Revolution gerüstet: Hier wehte der scharfe Wind der Aufklärung! Mancher im Publikum wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
Mozarts Sinfonia concertante B-Dur wirkte wie eine Diskussion der Solisten mit dem Orchester. Die virtuose Violine führte das Wort, das Fagott tönte bigott, die Oboe intervenierte schüchtern und das Cello schlichtete mit gemütvollem Vollton. Grandios!

Der chinesische Pianist Haiou Zhang forcierte in Mozarts Klavierkonzert d-Moll folgerichtig dramatische Wucht und klare Linien. Eine Interpretation, die den atemlosen Elan dieser Musik, ihre süße Ausweglosigkeit und den haltlosen Drive ideal verkörperte. Zhang ließ in der Schönheit der Musik auch deren subversive Tragik hörbar werden. Begeisterter Beifall.

Von Günter Moseler, Münstersche Zeitung, 13.05.2012

Heidelberg, Sinfoniekonzert, 9. November 2010, Kongresshaus Stadthalle

Mehr als nur ein Ständchen zum Fünfzigsten

Thomas Fey, Thomas Siffling und die Heidelberger Sinfoniker feiern Thomas Fey

Manche Dinge können so einfach sein. Die Frage "Was schenke ich zum Geburtstag?" ließ sich für Thomas Fey, Gründer und Dirigent der Heidelberger Sinfoniker, seitens seiner Freunde und Weggenossen ganz einfach beantworten: Musik. Da gab es in der Heidelberger Stadthalle Überraschendes, Fröhliches und Tiefgründiges zu hören. Die klanglichen Elogen galten dem Laureaten, und - frei nach Goethe - das Publikum war dabei.

Festliche Intrada, als der Blechbläsersatz der Sinfoniker den frühbarocken "King's March" von Clarke perfekt hinausposaunte und gleich noch einen echten Buonamente (1595-1642) draufsetzte. Die Qualitäten der Musiker kamen hier bestens zur Geltung, wie überhaupt die Sinfoniker zu Recht einen guten Ruf genießen. Spannend wurde es auch mit Mozarts Hornquintett (KV 407), denn Wilhelm Bruns, Solohornist am Mannheimer Nationaltheater, hat einen großen Ruf als Spezialist: Er interpretierte das herrliche Stück auf dem Naturhorn, und das Publikum durfte die Kunst des "Stopfens" miterleben, mit der vor Einführung der Ventile die Naturtonskala erweitert werden konnte.

Ein Pianoforte sollte nicht fehlen, auf dem Haiou Zhang das Scherzo in b-Moll von Frédéric Chopin nicht nur hoch virtuos spielte, sondern geradezu zelebrierte. Als Zugabe noch eine Paraphrase über "Happy Birthday", damit auch keiner den Anlass vergäße. Da stimmten auch Trompeter Thomas Siffling und Pianist Peter Grabinger mit ein, denn der durch Frank Sinatra berühmt gewordene Paul-Anka-Song "My Way" wurde beziehungsreich umspielt und aufgemotzt.

Schön, dass der Geehrte selbst zum Dirigentenstab griff und sich einen Herzenswunsch erfüllte: Endlich die zweite Sinfonie (op. 61) von Robert Schumann aufführen. Und wie! Effektiv, attraktiv, voller Schwung und von impulsiven Akzenten durchsetzt, mit Paukenschlägen - und zarten Holzbläsern. Der Streicherapparat wusste um die Herausforderung, so dass dieses Werk extreme Wirkung erzielte. 50 Jahre sind wie ein Tag, und Thomas Fey wird mit seinen Sinfonikern weiter sehr aktiv bleiben. Viel Erfolg.

Von Eckhard Britsch, Mannheimer Morgen, 12.11.2010

Heidelberg, Mendelssohns raue Stürme, 01. Dezember 2009 Stadthalle

Mendelssohns raue Stürme

Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey in der Stadthalle

Von Rainer Köhl

Das große Werk ist vollendet: Sämtliche Sinfonien von Mendelssohn, einschließlich der Streichersinfonien, haben die Heidelberger Sinfoniker auf CD eingespielt. Grund genug für ein Festkonzert zum Ende des Mendelssohn Jahres in der prächtig besuchten Stadthalle. Ausschließlich Werke des Jubilars standen auf dem Programm, und dabei gab auch der 25 jährige chinesische Pianist Haiou Zhang sein Heidelberg Debüt. In seiner Heimat ist er ein Star. In den USA feierte er große Erfolge und dabei studiert er noch (an der Musikhochschule Hannover). Mendelssohns 2. Klavierkonzert d -moll musizierte der Pianist mit jugendlich stürmendem Elan und leichtgängiger Virtuosität. Unbeschwert ist sein Musizieren und von hochgedrehter Bravour: ein Musikant, dessen Passioniertheit und gestalterische Insistenz bestens zu den Heidelberger Sinfonikern und ihrem Leiter Thomas Fey passt. Er nahm dieses Konzert absolut furios, spielte dabei immer klar und schlank, mit großem Ausdruck und Eleganz im Lyrischen. Spielerisch ganz eins mit der scharfen Attacke, die Fey am Pult den Sinfonikern verordnete. Mit den zwei Zugaben hatte der dynamische junge Chinese die Herzen der Heidelberger dann vollends gewonnen: Mozarts berühmtes Rondo »alla turca« in der Bearbeitung von Arcadi Volodos ließ das Publikum jubeln. Eine eigene, lyrisch versonnene Komposition ließ er dem folgen und schwenkte am Ende spontan in ein »Happy Birthday« ein: Seiner Freundin brachte er damit ein Ständchen. Begonnen wurde der Mendelssohn-Abend mit dem Violinkonzert e-moll. Alles Träumerische war wie weggepustet aus dieser Interpretation, stattdessen setzte Fey auf hochgespannten Drive und Explosivität. Mit dem Geiger Wojciech Garbowski hatte er einen gleichgesinnten Musizierpartner, der schon oft mit den Sinfonikern als Solist oder Konzertmeister spielte. Überaus beweglich, improvisatorisch spontan gestaltete der polnische Geiger seinen Solopart. So ergab sich ein erregendes konzertierendes Miteinander von Solist und Orchester. Dabei entwickelte der Geiger einen feinen, schlanken Ton, gesanglich intensiv und nur im Kopfsatz von paar kleineren Unsauberkeiten gestört. Geradezu himmlisch ließ Fey den langsamen Satz dahinschweben: wunderbar elysisch, mozartisch. Der Heidelberger Dirigent hinterfragt gerne das Vertraute, eröffnet ungeahnte Einblicke, das in seinen Interpretationen wie neu entdeckt, wie zum ersten Mal gehört erklingt. So vor allem in der geradezu spektakulären Wiedergabe der 3. Sinfonie, der »Schottischen«. Das brannte und toste in gewaltigen Fortissimo Entladungen, in beinahe militaristischem Drill, überfallartig einherdonnernd. Die Naturgewalten, die rauen Stürme spürte man geradezu körperhaft tosen, in herb angerautem Klang und elementar wogendem Spiel. Der langsame Satz kam wie ein Trauermarsch für einen Helden: kantig und lapidar, mit kraftvoll zugespitzten Rhythmen. Das hat man so wohl noch nie gehört. – Große Begeisterung.

Rhein-Neckar-Zeitung, 01 Dezember 2009

Heidelberg, Heidelberger Frühling, 28. März 2009 Stadthalle

Melodischer Sog des Glaubens

Heidelberger Frühling:
Thomas Fey dirigiert Werke von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy

Von unserem Mitarbeiter Alfred Huber

Damals, 1840, war die biedermeierliche Welt offenbar noch in Ordnung. Trotz schwelender Vormärz-
Konflikte und staatlicher Bespitzelung. Man kannte keine Evolutionstheorie und pries den Schöpfergott
in höchsten Tönen. Nicht nur bei Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen zweite Sinfonie („Lobgesang“), eine Mischung aus Instrumentalsätzen und Vokalnummern, nachdrücklich verrät, dass dem Komponisten religiöse Erhabenheit und Ergriffenheit ebenso selbstverständlich waren wie die früh ausgereiften Fertigkeiten seines handwerklichen Könnens.

„Formvollendeter Klassizismus“
Dass allerdings aus dieser Verbindung von Wort und Ton wesentlich mehr hervorgegangen ist, als nur
das, was bei Mendelssohn gern als „formvollendeter Klassizismus“ bezeichnet wird, war jetzt beim „Heidelberger Frühling“ in einer Aufführung der Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey zu hören. Gemeinsam mit dem fabelhaft intonationssicheren Deutschen Kammerchor und einem wunderbar singenden Trio (Eleonore Marguerre, Ulrike Strömstedt, Markus Schäfer) vermittelten sie eine Musik, die bei aller Geschmeidigkeit und Emphase selten ohne Brüche und Abgründe verlief, eine klingende Kunst, die neben der glänzenden Oberfläche fließender Übergänge auch das beinahe schon existenzielle Verdämmern in fahlen Grautönen kennt.

Ein Werk konsequent ausgeloteter Gegensätze: Dort die ruhig ausgespannte, lyrische Gesangslinie, hier die schon fast grelle, unruhig expressiv drängende Geste, die von prinzipieller Ungewissheit selbst dann erzählt, wenn Mendelssohn dem gläubigen Hoffen musikalische Ruhepunkte und eine entsprechende Zuversicht gewährt. Solchermaßen geschult, erträgt der Zuhörer auch die keineswegs nur himmlischen Längen im letzten Teil entschieden leichter. Nicht zuletzt deshalb, weil es Fey immer wieder gelingt, die Gefahren einer allzu emotionalen Beschaulichkeit durch dynamisch zugespitzte
Gegenkräfte zu neutralisieren.

Eingeleitet hatten den Abend in der Heidelberger Stadthalle zwei Kompositionen von Joseph Haydn,
seine D-Dur-Ouvertüre und die Sinfonie Nr. 96 („The Miracle“). Überzeugende Beispiele für Feys modernen, schnörkellosen Zugriff, der häufig, zumal in der D-Dur-Sinfonie, an Beethovens Tutti-Dramatik erinnert. Dass allerdings diesen extremen Verdichtungen gelegentlich dünn instrumentierte Bläserpassagen folgen, die Fey manchmal klippenartig abstürzen lässt, deutet vielleicht doch an, dass sich der späte Haydn, ein Meister der inneren Klangbalance, solche kontrastierenden Wechsel möglicherweise etwas weniger vehement vorgestellt hatte.

Mannheimer Morgen, 28.03.2009

Alles was Odem hat

Thomas Fey dirigierte die Heidelberger Sinfoniker und den Deutschen Kammerchor in der Stadthalle

Von Rainer Köhl

Das Vorbild von Beethovens 9. Sinfonie ist in seiner Satzanlage und seinem großen Finalsatz prägend gewesen für Mendelssohn-Bartholdy, als er seinen "Lobgesang" für Soli, Chor und Orchester komponierte. Die große Sinfoniekantate, die Thomas Fey mit den Heidelberger Sinfonikern nun in der Stadthalle zur begeistert akklamierten Aufführung brachte, war ein grandioser Beitrag zum Mendelssohn-Jahr. Der Mitschnitt der Aufführung wird Eingang finden in Feys Gesamt-Aufnahme der Sinfonien Mendelssohns.

Auf Klarheit der Stimmführung und Stringenz legte der Dirigent besonderen Wert, und dies machte sich außerordentlich bezahlt. Starke Präsenz wurde den Holzbläsern eingeräumt, die aus der Funktion bloßer Füllstimmen weit heraustraten und deren helles Leuchten und motivische Eigenständigkeit starke Brisanz in die Partitur brachte. Einen glühenden Sturmlauf inszenierte Fey im Kopfsatz, brachte die Musik in Hochstimmung, furios lodernd: ein mitreißendes, kräftig entschiedenes Gotteslob, gekrönt von dem hymnischen choralartigen Thema "Alles was Odem hat". Das war weniger pietistisch erhebend als vielmehr hochschießend zu flammender Begeisterung. Die Sogkraft dieses Beginns wirkte noch weiter im "Allegretto", das mit brennendem Ausdruck und dennoch wunderbar entspannt daherkam.

Nach dem sinfonischen Beginn der drei ersten Sätze hob der Chor mit Macht und eruptiver Kraft heraus in eine andere Dimension: die der Sprach- und Menschwerdung in "Alles, was Odem hat, lobe den Herrn". Prägnant konturiert in der Linienformung, stark engagiert und impulsreich sang der Deutsche Kammerchor, eine vorzügliche Vereinigung aus Profisängern. In schlank gehaltener und kräftiger Hymnik sang der Chor, brachte stärkste Strahlkraft und große Sonorität in die Aufführung. Packenden Elan entwickelten alle Beteiligten, große dynamische Bandbreite aufbietend, vom berückenden Pianissimo bis zum volumenreichen Fortissimo. Das gewann genügend gespannte Klangmacht und Eindringlichkeit, um das Religiöse nicht in gottgefälliger Wohligkeit zerfließen zu lassen, sondern dies mit erregender Dramatik und Überschwänglichkeit zu füllen. Thomas Fey baute auf starke sinfonische Stringenz, zeigte ebenso treffliches Gespür für grandiose Klangwirkungen wie lebendigen Sinn fürs Detail.

Ausgezeichnete Solisten gaben dieser vorbildlich einstudierten Aufführung beträchtlichen Glanz: der Tenor Markus Schäfer vor allem, der schönen lyrischen Schmelz ebenso wie starke Leidenschaft in seine Arien legte. Samtigen Glanz und reiche Emphase verlieh Eleonore Marguerre ihrer Sopranpartie, gestaltete intensive Duette mit der zweiten Sopranistin Ulrika Strömstedt.

Begonnen wurde der Abend mit Haydn, dessen erregend musizierter Ouvertüre D-Dur, gefolgt von der Sinfonie Nr.96 D-Dur "The Miracle". Die Anekdote, die zu dem Beinamen führte, hat nichts mit diesem Werk zu tun, ein Mirakel aber ist es immer wieder, wenn die Heidelberger Sinfoniker Haydn spielen. Ein Wunder ist die Bedingungslosigkeit, mit der Thomas Fey die Kontraste aufeinanderprallen lässt. So, als nach der beredsamen langsamen Einleitung ein kräftig stürmendes Allegro in Gang gesetzt wurde, das mit seinen markanten Akzenten, überfallartig schroffen Tempowechseln und seiner ungeheuer attackenreichen Gangart geradewegs so klang, als würde hier eine Schlacht ausgetragen.

Ein Wunder an packender Gestaltung war nicht zuletzt auch das hinreißend entspannt und kammermusikalisch licht ausgetragene Andante, das mit der finster entschlossenen Tutti-Vehemenz des Trios ein furioses Gewitter auf sich zog.

Rhein-Neckar-Zeitung, 28./29. März 2009

Wilhelmshaven, Sinfoniekonzert mit musikalischer Andacht an Opfer von Winnenden, 14. März 2009

Das war Labsal für Leib und Seele

Sinfoniekonzert mit musikalischer Andacht an Opfer von Winnenden

Von Norbert Czyz

Wilhelmshaven – „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ“ ist der Titel des Choralvorspiels von Johann Sebastian Bach, das der Pianist Bernd Glemser im Konzert am Donnerstagabend in der Bearbeitung von Ferrucio Busoni als Zugabe spielte. Und Glemser spielte es fast reglos, zunehmend fassungslos. Das Publikum muss die Absicht des Pianisten geahnt haben und schwieg mehrere Sekunden, bis der Applaus aufbrandete.

Die Zugabe dürfte die musikalische Andacht des Künstlers für die Opfer des schrecklichen Ereignisses von Winnenden gewesen sein.

Umrankt wurde diese großartige menschliche Geste von künstlerischer Glanzleistung – und das betrifft nicht nur den Pianisten, sondern auch die Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey.

Musikdramaturgisch logischer; ALS Fey und seine hervorragend harmonierenden Musiker es aufführten, kann man eine Haydn-Sinfonie – am Donnerstag war es die Nr. 93 in D-Dur – nicht darstellen. Mit einem selbstbewusst-kräftigen Anfangsakkord setzte Fey ein Signal so, als wollte er sagen, „wir haben die Sache im Griff“.

Obwohl Fey alle möglichen klanglichen und dynamischen Mittel einsetzte, kam nie der Gedanke der Beliebigkeit auf. Man folgte dem Vortrag und war von der inneren Logik, der Transparenz und dem Haydnschen Witz fasziniert. So zum Beispiel im 2. Satz, der nach einem hohen Flötenton mit einem tiefen Ton des Fagotts endet, was Fey und seine Musiker weidlich auskosteten.

Die Heidelberger und Bernd Glemser verstehen sich vielleicht nicht blind, aber blendend. Im Gegensatz zum Konzert mit Elena Kolesnitschenko und den Voigtländern, die vor sieben Wochen ebenfalls Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 2 d-moll aufführten, spielte am Donnerstag der Dialog zwischen Orchester und Solist die dominierende Rolle.

Satt Pathos und pastoser Farbgebung wie bei Kolesnitschenko, vernahmen wir tänzerische Leidenschaft, viele gut vorbereitete Stimmungswechsel und einen Solisten, der auch im langsamen Satz den Spannungsbogen und die gedankliche Linie nie abreißen ließ. Deutlich zu hören, wenn Mendelssohn den Klavierpart sozusagen zweistimmig führte, wobei die rechte Hand mit perlenden Läufen die Basslinie in der linken Hand arabeskenhaft umspielte. Zum Schluss Mendelssohns „Schottische“ Sinfonie in a-moll op. 56. Fey modellierte mit seinen Musikern das naturalistische Szenario klanglich und dynamisch reliefartig aus.

Herrlich die Bläsereinschübe, der schwermütige Klang der Hörner, die zarten Pizzicato-Ausklänge der ersten drei Sätze. Umso feuriger dann das Finale, in dem sich die Schwermut in Übermut wandelte. Mit dem Menuett aus Haydn Sinfonie Nr. 96 als Zugabe rundete Fey das Labsal für Leib und Seele ab.

Wilhelmshavener Zeitung, 14.03.2009

Eppelheim, Konzert, 2. März 2009 Rudolf-Wild-Halle

Eppelheim schloss Vorzeigeorchester ins Herz

Die Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey in der Rudolf-Wild-Halle begeistert gefeiert – Wiedergabe von großer Bildhaftigkeit

Von Rainer Köhl

Eppelheim. Nun sind die Heidelberger Sinfoniker mit Bravour auch in Eppelheim angekommen. Bürgermeister Dieter Mörlein überreichte nach dem Konzert in der Rudolf-Wild-Halle die Blumen für die Solisten und den Dirigenten persönlich. Darüber hinaus stellte er eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Vorzeigeorchester in Aussicht. Mindestens ein weiteres Konzert soll es in Eppelheims guter Stube heuer noch geben.

Dem begeisterten Publikum kann es nur recht sein. Durch seine von der internationalen Presse hoch gelobten CD-Aufnahmen und Gastspielreisen hat sich das von Thomas Fey geleitete Orchester lange schon einen exzellenten Ruf in der Musikwelt erworben.

Auf Musik des Barock, der Klassik und frühen Romantik sind die Heidelberger Sinfoniker besonders spezialisiert – und solches gab es auch zu hören. Begonnen wurde mit der Sinfonia d-moll des Bach-Sohnes Johann Christoph Friedrich Bach. In kleiner Besetzung aufspielend, agierten die Sinfoniker überaus reaktionsstark. Temperamentvoll in den schnellen Sätzen, voll prickelndem Charme wurde dabei musiziert. Große Beredsamkeit erhielt jede Phrase.

Eine Gesamteinspielung der Sinfonien von Felix Mendelssohn auf CD haben die Sinfoniker derzeit in Arbeit. Ein Jugendwerk des Komponisten, die Streicher-Sinfonie B-Dur, die der elfjährige Felix schrieb, gab es im Anschluss: kräftig wogend und sehr beweglich, wobei den kontrapunktischen Verläufen sehr viel quirliger Witz abgewonnen wurde.

So mitreißend gespielt, wurde die Musik zu einem echten kleinen Juwel. Von Thomas Fey am Pult agil befeuert, entwickelten die Sinfoniker hör- und sichtbar viel Spaß beim Musizieren. Das Spiel dieses Orchesters ist nicht zum Zurücklehnen, sondern immer voller explosiver Kraft. Rhythmisch stark zugespitzt ertönte Bachs Klavierkonzert d-moll: voll motorischem Drive, großem Schwung und mitreißendem Elan.

Tiefen Ausdruck brachten die Musiker in den langsamen Satz, der hier in seiner Mischung aus leiser Trauer und Schönheit wie ein Satz aus einer Bachschen Passion wirkte. Begeisterte Bravo-Rufe schlugen am Ende dem Pianisten Peter Grabinger entgegen, dessen temperamentvoller Vortrag beim Publikum auf ebenso große Liebe stieß wie seine Zugabe einer melancholischen Pop-Ballade aus dem Film "Die Farbe Lila".

Einen "Jahrtausendhit" gelandet hat Antonio Vivaldi mit seinen "Vier Jahreszeiten", nach Überzeugung von Thomas Fey. Und was die Faszinationskraft dieser Musik auch heute noch ausmacht, darüber hat der Orchesterleiter ebenfalls eine Erklärung bereit: Zum einen ist es der Reiz der "Programm-Musik", der klingenden Naturschilderungen und ihrer Bildhaftigkeit, und zum anderen sind es die hohen virtuosen Fähigkeiten, die vom Solisten und vom Orchester abverlangt werden.

In der Tat verwirklichten die Streicher der Heidelberger Sinfoniker eine Wiedergabe von größter Bildhaftigkeit. Da hörte man (heisere) Hunde bellen in den Bratschen, hörte man buchstäblich das Gras wachsen und die Blätter von den Bäumen fallen in den betörend zart und leise gespielten Pianissimo-Passagen. In starken Kontrasten ließ Thomas Fey die Musik schönste Lebendigkeit und Plastizität gewinnen, zwischen dem Stillstand der Natur und wirbelnder Bewegung. Größte Wirkung hinterließ der schwirrende Sommersturm, der in seiner elementaren Kraft schon körperlich spürbar wurde. Ausgelassene Stimmung wurde beim "Herbst" beschworen, entstand eine ländlich heitere Szenerie, eine Art Kerwe-Fest mit Tanz und Gesang, Trinken und Feiern.

Eine zauberische Schneelandschaft tat sich im "Winter" auf mit hauchzarten Streichern und Cembalo-Topfern, die wie fallende Eiskristalle tönten. Buchstäblich frösteln ließen einem die eisig scharfen Akzente der am Steg gespielten Streichinstrumente. Dass sich auch im Winter trefflich feiern lässt, daran war nicht zu zweifeln bei dieser Wiedergabe. Hingebungsvoll im Lyrischen und virtuos in den rasanten Sätzen, von lieblich zart bis rustikal musizierte Kamila Namyslowska, Konzertmeisterin der Sinfoniker, den geigerischen Solopart.

Rhein-Neckar-Zeitung, 02.03.2009

Starsolisten im Rausch der Spielfreude

Rudolf-Wild-Halle: Heidelberger Sinfoniker geleiten durchs Jahr / "Bückeburger" Bach vorgestellt / Fetzige Zugaben

Von unserem Mitarbeiter Carlo Weippert

EPPELHEIM. Kombinationen von extravaganten Konzertsolisten und Kompositionen aus dem Fundus selten gespielter Partituren gehört schon zum vertrauten Umfeld von Thomas Fey, mit "seinen" Heidelberger Sinfonikern seit 1993 auf den Highways internationaler Bühnen unterwegs.

Überschäumende Spielfreude

Zum Sinfoniekonzert in der Rudolf-Wild-Halle konnten Kamila Namyslowska (Violine) und "Mr. Music" Peter Grabinger (Piano) das Programmblatt bereichern, vom "Bückeburger" Bach (Johann Christoph Friedrich) als Opener in der Sinfonia D-Moll sehr forsch eröffnet.

Recht lebhaft (Vivace) ging ebenfalls die Sinfonie für Streicher B-Dur des Jubilars Felix Mendelssohn-Bartholdy, er wurde am 3. Februar 1809 in Hamburg geboren, in den Saal, eine überschäumende Spielfreude des Orchesters konnte sich in offener Führung am Pult ganz entfalten, Dirigent Thomas Fey streute große Freiheiten in die Luft der Rudolf-Wild-Halle.

Nun war der Teppich für solistische Glanzpunkte ausgerollt, im "Concerto I" D-Moll (BWV 1052) des Barockmeisters Johann Sebastian Bach nahm Peter Grabinger am Flügel Maß, auch als Einleitung zur Kantate BWV 188 "Ich habe meine Zuversicht" von Bach verwendet. Perlende Sechzehntel-Passagen der beiden Allegro-Sätze verschmolzen mit einem Adagio im Dreivierteltakt zur Demonstration fingertechnischer Feinheiten, vom Pianisten blitzsauber als Einheit von Technik und Notierung serviert und durch die Sinfoniker von ihrem sehr aktiven Mentor Thomas Fey sorgsam bis abwartend begleitet.

Zugaben noch vor der Pause

Schon zur Pause holten drei Vorhänge unmissverständlich eine Muss-Zugabe, jazzig-prickelnd zog ein Frühling herauf, der alle Farben im Koffer hatte, allein dieses Zuckerstückchen des Extrem-Pianisten Grabinger war den Besuch in der Wild-Halle mehr als wert.

Pünktlich nach der 5. Jahreszeit mit allen lockeren Fröhlichkeiten der Menschen zog in den "Vier Jahreszeiten" des Antonio Vivaldi der Frühling mit seinen Farben ein, von einer kokett-eleganten Kamila Namyslowska grazil angeboten und in der Halle dankbar aufgefangen, manche Köpfe nahmen die Schwingungen von der Bühne mit. Verzögerte Einsätze, zarte Reprisen durch die Lagen und Süffisanz des Augenblicks legten das Jahr in seiner ganzen Dimension auf die sinfonische Bühne, am Pult regierte die große Freiheit in Eigendynamik.

Jede Jahreszeit bot etwas mehr als Klangfarben, das Musiktheater von Vivaldi ergänzte sich durch rauschende Spielfreude in sehr delikaten Versionen, schillernde Jahreszeiten trugen ihre schönsten Farben herein.

Keine Frage, auch hier musste eine Zugabe das Beifallsdröhnen auf dem Boden der Halle beenden, dem Winter wurde herrlich deutlich seine sinfonische Rote Karte gezeigt.

Schwetzinger Zeitung, 03. März 2009

Heidelberg, Neujahrskonzert, 3. Januar 2009 Stadthalle

Die Herren führten, die Damen gaben sich hin

Klangfest mit viel Tschindarassabumm - Festliches Neujahrskonzert der Heidelberger Sinfoniker in der Stadthalle

Von Rainer Köhl

Große Musiker-Jubiläen stehen an, da macht es Sinn, die Gefeierten gleich am Neujahrstag zu Ton kommen zu lassen. Die Heidelberger Sinfoniker beschäftigen sich schon jahrelang mit den Werken Händels, Haydns und Mendelssohns, und somit ist es Ehrensache für das von Thomas Fey geleitete Orchester, auch beim festlichen Neujahrskonzert in der vollbesetzten Heidelberger Stadthalle Werke dieser Jubilare aufs Programm zu setzen.

Die Ouvertüre zu Händels "Feuerwerkmusik" war trefflicher Einstieg, erst recht dann, wenn dieses Werk so sehr berauschend gespielt wird wie von diesem Orchester. Mit schmetternder Lust realisierten insbesondere die vier Naturtrompeten sowie die agil befeuernden Rhythmen des fabelhaften Paukers und der kleinen Trommel ein elektrisierendes Klangfest von mitreißender Energie und soghaftem Drive aus dieser anderweitig immer so beschaulich tönenden Musik.

Weil keine Hintergrundinformationen zur Entstehung von Haydns Oper "L'Incontro improvviso" (Die unverhoffte Begegnung) aufzutreiben waren, machte sich der Moderator des Abends, Stefan Müller-Ruppert, seinen eigenen Reim: Ein unverhoffter Besuch, der sich bei Haydns Brotgeber Esterhazy anmeldet, ein Kompositionsauftrag zu dieser Gelegenheit und ein spontan ausgerufenes "Kruzitürken" des Compositeurs soll den Ausschlag dazu gegeben haben, eine zünftige Türkenmusik mit allem Tschindarassabumm zu schreiben. Eben solche tönte ganz authentisch aus der Ouvertüre.

Türkisch ging es weiter mit der Einleitung zu Salieris "Angiolina". Zünftig gingen die Sinfoniker zu Werke, sehr viel Schwung und Charme war dabei mit im Spiel. Eine "Verkehrte Welt" beschwor Salieri in seiner gleichnamigen Oper. Hier führen die Frauen die Kriegsgeschäfte und die Männer widmen sich den schönen Dingen. Für Utopien wie diese mag man am Neujahrstag besonders empfänglich sein. Jedenfalls machten die Sinfoniker zwischen feurigem Weiber-Elan und genüßlich tändelnder Lässigkeit des "starken Geschlechts" deutlich, dass eine Welt auch so herum möglich wäre. Beim "Kaiserwalzer" von Strauß war hernach alles wieder beim alten: die Herren führten, die Damen gaben sich hin. Mit heftig angespitztem Fortissimo ließen Thomas Fey und die Sinfoniker klar werden, wer hier die Hosen anhat. Altmodisch gespielt war dies keineswegs. Im Gegenteil. So frisch und unverschmiert, so leicht und durchsichtig und gleichzeitig sehnig-schwungvoll hat man diesen Walzer kaum sonst gehört.

Und auch der Hochzeitsmarsch aus Mendelssohns "Sommernachtstraum" hat sicher kaum mit so viel straffem Furor und überschwänglichem Elan die Brautpaare aus der Kirche gefegt wie in dieser Wiedergabe. Die „Sinfoniker“ sind ein Orchester, das es immer wieder gerne so richtig krachen lässt – und dies auf überaus hohem Niveau. Das schließt freilich nicht aus, dass auch ein Wagner wunderbar beseelt, inspiriert und in großer Ruhe daherkommt, etwa in der „Tannhäuser“-Ouvertüre.

Rhein-Neckar-Zeitung, 3./4. Januar 2009

Emden, Orchesterkonzert, 3. November 2008 Neues Theater Emden

Konzertreihe in dieser Saison hochkarätig

KULTUR Heidelberger Sinfoniker begeisterten in Emden mit Haydn und Mendelssohn-Bartholdy

Dass die Sinfonien von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn-Bartholdy in ihrer Komplexität immer wieder in Konzerten zu Experimenten herausfordern, mag ja wahr sein. Was aber die Heidelberger Sinfoniker am Montagabend im Neuen Theater in Emden in die Werke dieser beiden Komponisten interpretierten, war faszinierend und erhellend.

In Haydns Sinfonie Nr. 31 D-Dur „Mit dem Hornsignal" lud Orchesterchef Thomas Frey die Streicher zu einem Wechselspiel der Dominanzen mit dem Hörnerquartett ein. Dieses Spiel eine Klangkonstruktion zu nennen, wäre ein Frevel gegenüber der musikalischen Kunst zur Schaffung einer bildlichen Klangfülle. In den ersten drei Sätzen durften sich Emotionen in diversen Klangfarben zu einem verspielten Ganzen entwickeln, das sich dann im Finale in einem enthusiastischen Höhepunkt entlud.

Die Sopranistin Sabine Goetz machte in ihrem Vortrag der „Scena di Berenice" deutlich, dass Orchester und Stimme sich nicht nur jeweils untermalend tragen können. Die Stimme kann zu einem Instrument werden, das ein wunderbares Seelenklangbild erzeugt. Das Publikum war begeistert von der Sopranistin.

Mendelssohn-Bartholdys Streichersinfonie Nr. 10 h-moll, Adagio – Allegro, eröffnete den zweiten Teil des Konzertes. Diese Ein-Satz-Komposition versetzte das Publikum in genau das Temperament, das es brauchte, um sich auf die Sinfonie Nr. 5 D op. 107 „Reformationssinfonie" vorzubereiten. Dieser Höhepunkt des Konzerts findet sich genau in der richtigen Jahreszeit wieder: Herbst, Schwermut und energischer Aufbruch mit dem allgewaltigen Choralfinale „Ein feste Burg ist unser Gott".

Aber davor galt eben das Spiel bis zu diesem Finale; die sensiblen Wege der einzelnen Orchesterabteilungen, die alle hinführten zu dem immer wieder variierenden Leitmotiv bis hin zum bombastischen Kopfsatz, der die ganze Stärke und Energie dieses so ausgezeichneten Orchesters ausmachte.
Die leider nur 300 Zuschauer feierten die Künstler frenetisch und erklatschten sich als Zugabe noch einmal den Schlusssatz der „Reformationssinfonie". Einmal mehr wurde an diesem Abend deutlich, wie hochkarätig die Konzertreihe in dieser Saison besetzt ist.

Es gab außerordentlich starken Beifall für diesen hervorragenden Konzertabend.

Ostfriesen-Zeitung, 5. November 2008

Heidelberg, Orchesterkonzert, 29. Oktober 2008 Kongresshaus Stadthalle

Frischzellenkur für Mendelssohn

Die „Heidelberger Sinfoniker" unter Thomas Fey mit spannendem Raritätenprogramm in der Stadthalle

Joseph Haydn: der ehrwürdige, aber letzten Endes doch wenig aufregende Sinfonien-Vielschreiber? Felix Mendelssohn: der ebenso gefällige wie oberflächlich-glatte Klassizist? Wer immer noch mit solch hartnäckigen Vorurteilen herumläuft, sollte sich dringend Thomas Fey und die „Heidelberger Sinfoniker" mit ihren Interpretationen dieser beiden vielleicht meistunterschätzten großen Komponisten gönnen.

Das Orchester korrigiert auf seinen CD-Gesamteinspielungen und mehr noch bei seinen fulminanten Konzertauftritten nicht nur die sattsam bekannten Klischees, sondern liefert auch Repertoire-Entdeckungen. Das in der Heidelberger Stadthalle präsentierte Raritätenprogramm war dafür ein besonders schönes Beispiel. Thomas Feys Bekenntnisse im RNZ-Interview vom vergangenen Dienstag („Jede Haydn-Sinfonie ist ein Abenteuer", „Mendelssohns Sprache in revolutionär") fanden an diesem Abend faszinierende Bestätigung.

Welch unerschöpflicher Experimentator gerade der junge Haydn gewesen ist, beweist etwa seine 1765 im Alter von 33 Jahren komponierte Sinfonie Nr. 31 D-Dur. Statt Sinfonie „mit dem Hornsignal" hätte dieses herrlich buntscheckige Werk genauso gut Sinfonie „ mit dem Hörnerquartett" heißen können, denn nicht weniger als vier virtuos eingesetzte Blechbläser prägen hier entscheidend das Klangbild. Dazu kommen noch ein halbes Dutzend anderer Soloinstrumente, die das Stück quasi zur „Sinfonia concertante" werden lassen.

Thomas Fey wählte für seine Wiedergabe eine relativ kleine Besetzung mit nur 13 Streichern und erreichte so — wohl ganz im Sinne Haydns — gleichsam konzertante Kammermusik in sinfonischem Gewand (freilich mit leichtem akustischen Übergewicht der von den vier superben Naturhorn-Solisten angeführten achtköpfigen Bläserfraktion).

In Feys gewohnt akzentfreudig-vitalem Zugriff hielten schon die ersten drei Sätze eine Vielzahl exquisit ausgehörter Details parat, die den Klangfarben-Zauberer Haydn auf dem Gipfel seiner Kunst zeigten. Höhepunkt aber war fraglos das durch eine elektrisierende Stretta gekrönte Variationenfinale, in dem die brillanten Solisten der Sinfoniker (Kontrabass inklusive!) reinstes Hörvergnügen bescherten.
Welch gewaltiges Ausdruckspotential in dem – gerne unterschätzten – Musikdramatiker Haydn schlummert, machte seine von Sabine Goetz (Sopran) und dem Orchester zu grandioser Wirkung gebrachte späte „Scena di Berenice" (1795) deutlich. Ein in seinem vokalen wie orchestralen Farbenreichtum wahrhaft atemberaubendes Stück, das als tief lotendes Seelenporträt keinen Vergleich namentlich zum Opernkomponisten Mozart scheuen muss. Die überaus stilkultiviert singende Sopranistin und das famos präsente Ensemble servierten diese spektakuläre Trouvaille mit einer Intensität, die zu Recht Begeisterungsstürme auslöste.

Eine interpretatorische Frischzellenkur erlebte man nach der Pause auch in Sachen Mendelssohn, der gerade mit Blick auf das anstehende Jubiläumsjahr solch flammend inspirierte Anwälte wie Thomas Fey und seine Sinfoniker gebrauchen kann. Sogar die gemeinhin als bloße „Studienwerke" abqualifizierten frühen Streichersinfonien werden bei diesen Musikern zum überraschenden Ereignis. Ein aussagekräftiges Beispiel bot der in der Stadthalle vorgestellte h-moll-Einsätzer (Nr. 10), dessen unwiderstehlich präzise gesteigerte Rasanz für stark erhöhten Pulsschlag sorgte.
Den musikalischen Revolutionär Mendelssohn entdeckten Fey und sein Orchester vor allem in der abschließenden „Reformationssinfonie" (d-moll, op. 107), deren kühne Verbindung von kontrapunktischer Tradition und romantischer Innovation hier so selbstverständlich und packend klang wie selten zuvor. Vom wunderbar energiegeladenen Kopfsatz über die beiden subtil ausdifferenzierten Mittelsätze bis hin zum überwältigend unverkitscht-feurigen Choralfinale (über „Ein feste Burg") blieben dabei keinerlei Wünsche offen.

Das Publikum in der gut gefüllten Stadthalle reagierte auf diesen besonderen Mendelssohn-Coup entsprechend enthusiastisch und erklatschte sich eine Wiederholung des prachtvollen Finalsatzes.

Rhein-Neckar-Zeitung, 3. November 2008
Klaus Roß

Tokio, Japan-Debut, 21. September 2007 Musashino Cultural Hall

Tokio, Japan-Debut der Heidelberger Sinfoniker, 21. September 2007, Musashino Cultural Hall

„Klassisches Drama“, Begeisterung und Anregung

Klassische Sinfonie in neuester Interpretation. Das erste Konzert von Thomas Fey und seinem Orchester Heidelberger Sinfoniker in Japan war ein außergewöhnlich anregendes Erlebnis. Die Heidelberger Sinfoniker verwenden nicht nur historische Blechblasinstrumente und Pauken, sondern legen auch einen Schwerpunkt auf die historische Aufführungspraxis. Ihre Besonderheit liegt aber vor allem darin, dass sie sich von historischen Wahrnehmungen befreit haben und die Begeisterung und Energie, die das Publikum in der Epoche der Wiener Klassik empfanden, für die Gegenwart wiederbelebt haben.

Das erste Thema des ersten Satzes von Haydns Sinfonie Nr. 82 enthält viele Fanfarenmotive, bei den Heidelberger Sinfonikern hört man aber ein ohrenzerreißendes Donnern wie „Klänge auf dem Schlachtfeld“. Die eingeschobenen leisen Abschnitte wurden in gelassenem Tempo elegant gespielt und so der Kontrast verstärkt. Fey benutzt viele mutige Tempowechsel, so zeigt er die Wiener Musik nicht als das farblose sowie transparente Utopia, sondern als ein realistisches Drama des Klanges. Bei dem sich zu den Höhepunkten der Melodien steigerndem Tempo und den verschärften Akzenten im Hauptthema des zweiten Satzes stutzen heutzutage die Zuhörer: Die für heutige Ohren eigentlich kaum als außergewöhnlich empfundenen Hervorhebungen
werden hier plötzlich wieder als Dissonanzen wahrgenommen.

Bei der Aufführung von Salieris Ouvertüre „Les Horaces“ zeigte das energiegeladene Spiel der Orchestermitglieder eine Heftigkeit, die der Handlung dieser Oper aus der Kriegsgeschichte des alten Rom entspricht.

Solch eine herausfordernde Interpretation trägt manchmal das Risiko in sich, dass durch die Lebhaftigkeit der Gesamtklang des Ensembles zerstört wird, aber um die Heidelberger Sinfoniker macht man sich diesbezüglich keine Sorgen. Der erste Satz aus Mozarts „Linzer Sinfonie“ wurde zwar mit sehr schnellem Tempo aufgeführt, die Balance wurde jedoch geschickt kontrolliert. Außerdem klärte sich durch die schwungvolle Energie der Spieler auch die Strategie des Komponisten auf, dass die Melodiephrasen sich kontinuierlich von einem Satz zum nächsten fortbewegen sollen. Dies muss das Publikum begeistert haben. Der langanhaltende, begeisterte Applaus nach der Aufführung war dem Orchester jedenfalls sicher.

Yasuda, Kazunobu, Musikkritiker, in: Yomiuri Shimbun, 02. Oktober 2007

Heidelberg, Orchesterkonzert 6. Mai 2007 Kongresshaus Stadthalle

Heidelberg, Orchesterkonzert 6. Mai 2007, Kongresshaus Stadthalle

Tempo ist der Zauberschlüssel

Ob Haydn, Mozart, Mendelssohn: Die Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey nehmen die Tempi stets am oberen Rand der Skala und machen dennoch hier und da ein Accelerando möglich; man gibt sich der Musik voll und ganz hin, lässt sie laufen, ohne sie aus der Hand zu geben – das war das „Sesam-öffne-dich“-Zauberwort, das für alle Werke des Konzerts in der Stadthalle galt, sozusagen als Generalschlüssel.

Haydns Sinfonie Nr. 75 D-Dur wurde dadurch sehr lebendig ... Die schnellen Sätze weckten das Ohr mit lockeren Pointen und starkem Licht-Schattenspiel in der Dynamik. Entspannt und gelassen ging man an den Variationssatz, musizierte teamorientiert ... Bei Mendelssohns Streichersinfonie g-moll und bei der „Italienischen“ blieb die Transparenz auf wunderbare Weise während aller Sätze erhalten ... Bernd Glemser, begnadeter Tastenvirtuose, war die perfekte Besetzung für Mozarts D-Dur-Konzert KV 451. Perfektes Timing mit dem Orchester zu jedem Zeitpunkt: ein Lob, das an beide Seiten geht ... Es blieb die Bewunderung für viel Können, für Präzision, Gestaltungswillen, für hervorragende Bläser, für Ensemblegeist und Spiellaune ...“

Rhein-Neckar-Zeitung, 8. Mai 2007

Schwetzingen, Benefizkonzert 21. Januar 2007 Rokokotheater des Schlosses

Schwetzingen, Benefizkonzert 21. Januar 2007, Rokokotheater des Schlosses

Glänzendes Edelmetall

... Thomas Fey am Pult eines Orchesters, das die Partituren mal mit zartem Pinsel getupft, mal mit mächtigem Bogenstrich ausgeführt in den aufregendsten Farben leuchten ließ: Mit den Heidelberger Sinfonikern und ihrem traditionellen Benefizkonzert im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses boten die Rotarier aus Schriesheim-Lobdengau keine Langeweile. Von Beginn an schlug Fey eine bewegliche, doch kaum hastige Gangart an, ließ die Tempi fließen und gab dem motivischen Material dennötigen Raum, sich zu entfalten. Und er schaffte es, durch einen klaren, durchsichtigen Zugang einen ungemein dichten Orchesterklang zu erzeugen: Die einzelnen Gruppen optimal ausbalanciert, das Klangbild tiefenscharf und differenziert.

Um Mozarts Fingerabdrücke derart korrekt nachzuvollziehen, muss man eine Meisterin sein: Cristina Marton ist technisch über jeden Zweifel erhaben. Im Klavierkonzert B-Dur KV 456 blieb sie locker inmitten tosender Läufe und geistvoller Variationen, pointierte rhythmisch scharfe Konturen ... Wer Mozart so spielt, wird bei Haydn nicht enttäuscht: Auch in der von Sabine Goetz interpretierten „Scena di Berenice“ wurde die Brillanz der Sopranstimme zur selbstverständlichsten Nebensache der Welt. Goetz formte ihren Part brillant und expressiv, führte den Dialog mit dem Orchester nuancenreich, umspielte dessen Melos mit zärtlichen Kaskaden und reizte die Emotionen bis an die Grenzen aus. Musikalisch golden glänzendes Edelmetall, das mit stürmischem Beifall belohnt wurde.

Rhein-Neckar-Zeitung, 27./28. Januar 2007

Heidelberg, Festliches Neujahrskonzert 2007 Kongresshaus Stadthalle

Heidelberg, Festliches Neujahrskonzert 2007, Kongresshaus Stadthalle

Cancan-Funken, Violin-Romanzen und Cello-Seufzer

Neujahrskonzerte: Musikalisch startet das Jahr in Heidelberg, Schwetzingen und Ludwigshafen mit Beethoven, Wagner, Verdi oder Strauß

„Gelungener Einstieg ins neue Jahr: In der ausgebuchten Heidelberger Stadthalle zeigten sich die Heidelberger Sinfoniker unter ihrem Dirigenten und Gründer Thomas Fey von ihrer besten Seite. Das überwiegend jung besetzte Orchester überzeugte durch präzise, strukturierte Spielfreude, frischen Glanz im Klang und ein knackiges Schlagwerk-Fundament. Das hatte einiges zu tun in Beethovens selten „live“ zu hörendem Siegestaumel namens „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“, der den Abend vor den Zugaben mit einigem Getöse beschloss. Aber Thomas Fey hat musikalisch weit mehr zu bieten als das Auskosten von Effekten. Er gibt der Musik Entwicklungsräume, achtet auf sorgfältige Durchdringung und setzt, etwa in Beethovens Violinromanzen, auf subtiles Hinterfragen des Begriffs Sanglichkeit. Sein Konzertmeister und Violinsolist, der junge Woiciech Garbowski, steuert dazu eine fein austarierte Tongebung bei, die in natürlicher Schönheit den beiden Stücken inspirierten Atem verleiht. Dann gab’s noch einen spritzig-spannungsgeladenen Rossini, den mit zärtlichem Schmelz vorgetragenen Johann Strauß, eine dräuende Salieri-Ouvertüre und den schmissigen Nicolai in die Ohren des hoch erfreuten Publikums.“

Manneimer Morgen, 3. Januar 2007

Hoch das Bein!

Neujahrskonzert der Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey in der Stadthalle

Ein festlich gestimmtes Präludium macht sich immer gut als Entrée zu einem Neujahrskonzert. Bachs Orgelpräludium Es-dur gab es eingangs beim Festlichen Neujahrskonzert der Heidelberger Sinfoniker in der Stadthalle. Das Werk ertönte freilich nicht in der pathetischen, dick instrumentierten Bearbeitung von Stokowski, sondern ganz im Gegenteil, so wie es diesem Orchester geziemt. Eine historisch korrekte Bearbeitung wünschte der Orchesterleiter Thomas Fey und diese schrieb der junge Wieslocher Komponist Timo Jouko Herrmann: licht und klar, mit zahlreichen kammermusikalischen Einschüben, welche den Concerto-grosso-Gestus mit zahlreichen Wechseln zwischen Soli und Tutti trefflich ins Spiel brachten. Streichtrio, Oboe und Fagott erfüllten den konzertanten Geist mit schönster Elastizität. In scharf punktierten Rhythmen gaben die Sinfoniker dem Modell der französischen Ouvertüre prägnantes Profil.

Heftig angespitzte Akzente, herrlich unverschmiert und klanglich gestochen scharf kam der Johann- Strauß-Walzer „Künstlerleben“ daher: von einem Leben in Hochstimmung gab diese Wiedergabe schönste Eindrücke. Nichts für fußlahm übers Parkett schlürfende Tanzschuhe, vielmehr wurden potentielle Tänzer ganz schön mit furiosem „Hoch-das-Bein“ in Schwung gebracht. In brillante Stimmung kamen die Ouvertüren zu Rossinis „Die diebische Elster“ und zu Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ bei herrlich aufgewecktem Spiel. Dabei brachte Thomas Fey große Spannungen ins Spiel mit starken dynamischen Kontrasten. Vergnüglichster Witz stellte sich ein durch die Wechsel aus delikat hingetupften Raffinessen und feurigen Explosionen, zwischen kammermusikalischer Lichtheit und schroff einherfegendem Donnerwetter.

Den Knalleffekten gibt Fey gerne Zunder und das hört man bei einem Neujahrskonzert besonders gerne. Ein Spiel wie ein Brillantfeuerwerk lieferten die Heidelberger Sinfoniker. Und sie brachten ebenso in Salieris Ouvertüre zur Oper „Catilinia“ Feuer und Dramatik und furios blitzende Impulse hinein. Aus 16 Nationen rekrutieren sich die Sinfoniker in der aktuellen Besetzung: „gelebte Völkerverständigung über 5 Notenlinien hinaus“, wie es der geistreich moderierende Moderator Stefan Müller-Ruppert formulierte. Einer aus den Reihen der Sinfoniker, der polnische Geiger Wojciech Garbowski, der an diesem Abend die Violinen als Konzertmeister anführte, musizierte den Solopart in Beethovens zwei Romanzen für Violine und Orchester. Er hat nicht nur das „beste Instrument von uns allen“, wie Thomas Fey in der Pause verriet, nämlich eine wertvolle Gagliano-Geige, er ist ebenso ein begnadeter Musiker, der die feine Poesie und den rhapsodischen Schwung dieser Werke gleichermaßen stilvoll und feingliedrig umsetzte. Seidig ließ er die Töne blühen in sonniger Lyrik und mozartscher Leichtigkeit.

Musikalische Schlachtengemälde sind meist glorifizierend und passen in ein Neujahrskonzert vortrefflich schon alleine wegen der vielen zündenden Momente. In der Siegessinfonie aus Beethovens „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Victoria“ gibt es zwar keine Böller und Kanonenschläge, dafür aber zahlreiche Knaller musikalischer Art, die der agil dirigierende Thomas Fey am Pult mit großem Effekt zündete. Glanz und Gloria tönten, als das „Rule Britannia“ auf der Gegenseite auf einen französischen Marsch traf und als die Insel mit einem „God save the King“ triumphierte. Klangliche Brillanz und musikantische Verve feierten ein Fest im Spiel der Heidelberger Sinfoniker, die in der Zugabe des „Banditengalopp“ noch einen spritzigen Zahn zulegten. Banditen und stramm marschierende Generäle wie Graf Radetzky sollten nicht das letzte Wort haben bei diesem begeistert akklamierten Neujahrskonzert, drum folgte noch eine dritte, friedvolle Zugabe: das Andante aus Haydns „Kaiserquartett“, von Timo Jouko Herrmann fein orchestriert.

Rhein-Neckar-Zeitung, 3. Januar 2007

Heidelberg, Musikfestival LA PASSIONE Rhein-Neckar 2006

Heidelberg, Musikfestival LA PASSIONE Rhein-Neckar 2006, Abschlusskonzert

Fesselnde Live-Qualitäten

„Die von Thomas Fey geleiteten Heidelberger Sinfoniker haben sich in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch viel beachtete CD-Produktionen den Ruf als eines der interessantesten jüngeren Ensembles im Bereich der historisch orientierten Aufführungspraxis erworben. Ihre herausragenden Live-Qualitäten konnte die Fey-Truppe gerade bei Auftritten vor heimischem Publikum in der Heidelberger Stadthalle immer wieder glänzend unter Beweis stellen. Das Abschlusskonzert des diesjährigen ‚La passione‘-Festivals setzte diese Reihe gelungener Heimspiele mit einem besonders spannenden Programm fort ...
Boccherinis d-moll-Sinfonie op. 12/4 ‚La casa del diavolo‘, brachte Fey in einer eigenen Version mit zusätzlichen Bläserstimmen zur Aufführung. Die ‚Giovanni‘-Nähe des Werkes teilte sich in diesem durch Naturtrompete und Fagotte angereicherten Arrangement sogar noch frappierender mit als in der nur mit Oboen und Hörnern besetzten Originalfassung. Vitaler und aufwühlender kann Boccherini kaum klingen ...
Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 488 wurde vor allem dank Sheila Arnolds bewundernswert stilsicherer Präsenz zum unvergesslichen Erlebnis. Das dialogische Wechselspiel zwischen Klavier und Orchester geriet in allen drei Sätzen höchst differenziert und beredt ...
Beethovens zweite Sinfonie D-Dur op. 36 krönte den Abend mit bewährt knackig-frischem Sinfoniker-Sound und lustvoll ausgekosteten Kontrasten. Dem begeisterten Schlussbeifall folgte als Zugabe noch Mendelssohns hinreißend dramatisch musizierte „Hebriden“-Ouvertüre.“

Rhein-Neckar-Zeitung, 17.10.2006

Heidelberg, Musikfestival LA PASSIONE Rhein-Neckar 2006, Benefizkonzert

Benefizkonzert des Ensemble La Passione in der Citykirche Konkordien Mannheim

„Benefizkonzerte für soziale Zwecke gehören mit zum guten Ton des Festivals ‚La Passione‘, das Thomas Fey als künstlerischer Leiter vor drei Jahren ins Leben rief. Eine Bach-Kantate stand auf dem Programm des Benefizkonzerts, das Fey mit seinem Ensemble La Passione in die Citykirche Konkordien Mannheim führte ...
‚Passione‘ bedeutet Leidenschaft und ebenso auch Leiden. Die doppelte Bedeutung des Wortes bekam man zu spüren bei dem Konzert mit Bachs Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“. Diese ist Bachs längste und wohl bedeutendste Kantate. Zwischen Ächzen und Jauchzen, zwischen tiefster Trauer und höchster Freude schlagen die Gemütsbewegungen hier stark aus. In der äußerst kontrastreich angelegten Interpretation durch Thomas Fey wurde dies besonders deutlich. Eine große Stille, Intimität und kontemplative Ruhe entdeckte der Dirigent aus den langsamen Sätzen, und dies wurde in den ariosen Klagen eingebungsvoll ausgeleuchtet. In den klangvoll leuchtenden Schwelltönen der Sopranistin Eva Lebherz-Valentin vor allem, aber auch in der lyrischen Gestaltung des Tenors Clemens Flämig. Der Altus Matthias Lucht und der wunderbar prägnant und deklamationsstark singende Bariton Jens Hamann komplettierten das Solistenquartett.
Eine überaus reiche Farbigkeit entwickelte das Ensemble La Passione auf seinen alten Instrumenten, hörte man sublime Nuancen in weicher Sonorität, wurden die feinsten Gemütsregungen ebenso ausdrucksvoll wie lebendig und präzise in Klang umgesetzt. Fey ließ die Klänge reden, brachte das Leiden genauso anschaulich zum Tönen wie das Hoffen. Und die Kontraste schlugen heftig aus, sobald der Chor ins Spiel kam. Dann, wenn der Trost des Terzetts „Sei nun zufrieden“ in der hymnischen Bewegtheit des Chores sich fortsetzte und zu machtvoller Zuversicht steigerte. Händelsche Klangpracht entwickelte das Vokalensemble La Passione in dem Schlusschor, der mitsamt Pauken und Trompeten zu furios schmetternder Siegesgewissheit hochgesteigert wurde.“

Die Rheinpfalz, 10.10.2006

Heidelberg, Musikfestival LA PASSIONE Rhein-Neckar 2006, Eröffnungskonzert

Duftendes Pflanzenmeer

Wie viele Bilder bietet das Pflanzenmeer der Ladenburger Baumschule Huben, um Musik im Allgemeinen und Mozart im Besonderen zu veranschaulichen! Wohlweislich eröffnete der Dirigent Thomas Fey sein Festival ‚La Passione‘ im neuen Glashaus der Orangerie. Eine Konzert-Pause kann gar nicht lang genug sein, damit sich die Besucher an der Open-Air-Atmosphäre satt genießen können oder an duftenden Rosen und Kräutern, an Stauden-Riesen und Gras-Zwergen vorbeischlendern. Hier ist ein anziehender Kultur-Treffpunkt entstanden, der die Metropolregion schmückt ...
Die Heidelberger Sinfoniker machten den Anfang mit einem Mozart-Abend, der das Publikum in Begeisterung versetzte. Es gefiel ihnen, die Sinfonie KV 129 wie ein ruppiges Revoluzzer-Stück zu behandeln und die Muskeln spielen zu lassen. Als geistig-sinnlichen Kontrast setzten sie Haydns Sinfonie Nr. 47 daneben, um die Zuhörer mit überraschenden Rhythmuswechseln, Pausenlöchern und intelligentem Witz zu unterhalten.
Und wiederum als Kontrast wurde Mozarts Sinfonie KV 201 nachgereicht, aus der kein Kraftprotz mehr sprach, sondern ein frisch aus dem Ei gepellter Klassiker, der tiefes Empfinden und übermütiges Vorpreschen in Einklang bringt. Dem Sopran von Eva Lebherz-Valentin kam die Motette „Exsultate, jubilate“ zwar in der Höhe entgegen. Aber das Bravourstück verlangt auch eine füllig-runde Mittellage und höchste Gelenkigkeit, über die ihre eng geführte Stimme nicht verfügt.

Mannheimer Morgen, 19.09.2006

Olten, Abonnementskonzerte 2005/2006 Konzertsaal im Stadttheater

Olten, Konzertsaal im Stadttheater, Abonnementskonzerte 2005/2006

Wiener Klassiker historisch gesehen und imposant gespielt

„Mit großem Engagement und fordernden Gesten steuerte der Dirigent seine der historischen Aufführungspraxis verbundenen Heidelberger Sinfoniker – mit vielen jungen Mitgliedern – durch das Programm. Elektrisierend lebendig bereits der erste Einsatz zu Haydns Sinfonie Nr. 69 C-Dur ‚Laudon‘: Fanfarenartige Akzente wechseln dabei mit einem tänzerisch lyrischen Seitenthema, bei dem die fabelhaften Streicher der Heidelberger mit ihrem vibratolosen Spiel sogleich subtile Spielkultur bewiesen. Ergreifend, von berückender Reinheit sodann auch der verhaltene Gesang der sordinierten ersten Geigen im zweiten Satz, bei dem auch die feinsten Nebenstimmen jederzeit hörbar waren. Und erfrischend darauf ein recht derb zupackendes Menuett, dessen zauberhaftes Trio von der hervorragenden Solo-Oboe mit viel Humor und feinster Phrasierung ausgestattet wurde.
Meisterpianist Bernd Glemser war als Solist für das Klavierkonzert Es-Dur KV 449 von Mozart angesagt ... Dem delikaten, transparenten Spiel des Orchesters wollte der moderne Steinway nicht ganz entsprechen; zu oft wurde das differenzierte Gestalten vor allem der Streicher durch den glänzend spielenden Pianisten zugedeckt. Vielleicht hätten in diesem Fall der transparente, obertonreiche Klang eines Hammerflügels dem Klang des Orchesters besser entsprochen.
Für die Wiedergabe der 7. Sinfonie A-Dur von Beethoven hatten sich weitere Streicher und Bläser eingefunden. Lebendig, rhythmisch, prägnant wurden die vier Sätze befreit von allem Pathos vergangener Beethoven-Interpretationen, in zügigen Tempi musiziert bis hin zum Taumel des Schlusssatzes, bei denen der Dirigent seinen hervorragenden Streichern noch einmal das Letzte abverlangte. Dem Jubel des Publikums wurde mit der Ouvertüre zu „Axur“ von Antonio Salieri gedankt ...“

Oltener Tagblatt, 27. März 2006

Heidelberg, Orchesterkonzert 12. März 2006 Kongresshaus Stadthalle

Heidelberg, Orchesterkonzert, Kongresshaus Stadthalle

Unwiderstehlicher Mozart-Swing

„Die regelmäßige künstlerische Zusammenarbeit der Heidelberger Sinfoniker mit dem Pianisten Bernd Glemser zählt fraglos zu den besonderen Glücksfällen in der Vita des 1993 gegründeten Orchesters. Wenn es überhaupt noch eines schlagenden Beweises für die spezielle Chemie dieser musikalischen Verbindung bedurfte, so lieferten ihn die Fey-Truppe und ihr renommierter Gastsolist beim jüngsten gemeinsamen Auftritt in der dicht besetzten Stadthalle ... Ihnen gelang eine Wiedergabe von Mozarts Es-Dur-Konzert KV 449, welche die charakteristischen Rafinessen des Werkes in allen Details hörbar machte und zugleich konzertante Spielfreude versprühte – bei durchweg mustergültiger Klangbalance und Dialog-Intensität zwischen den Partnern. Selten etwa hat man das zentrale Andantino so unsentimental innig und zart vernommen wie hier, selten zudem war die Bezeichnung ‚Mozart-Swing‘ angemessener als für das vor Esprit und Drive geradezu überbordende Rondofinale mit seiner absolut elektrisierenden Presto-Stretta ...
Die Heidelberger Sinfoniker waren freiliche nicht nur als Mozart-Partner in Hochform: Für den unverwechselbar knackig-frischen und farbenreich ausdifferenzierten Haydn-Sound à la Thomas Fey stand an diesem Abend die Sinfonie Nr. 87 A-Dur – eine weitere Rarität, deren buffoneske Heiterkeit ebenso erquickend herauskam wie ihre von herrlichen Bläsersoli erfüllten Lyrismen ... Mit Beethovens Siebenter Sinfonie entfesselten Fey und seine in allen Instrumentengruppen superb disponierten Sinfoniker zum Abschluss noch ein Hörabenteuer, wie es aufwühlender und erregender schwerlich hätte sein können. Eine ‚Revolutionsmusik‘ von atemberaubender Explosivität und Brillanz insbesondere im Finale, aber auch von gewaltiger expressiver Sogkraft etwa im selten glutvoll gesteigerten Allegretto-Mittelsatz. Für dieses von kompromissloser Vitalität und scharfsinniger Präzisionsarbeit zugleich zeugende Klangereignis gab es zu Recht stürmischen Beifall ...“

Rhein-Neckar-Zeitung, 15. März 2006

Heidelberg, Festliches Neujahrskonzert 2006 Kongresshaus Stadthalle

Heidelberg, Festliches Neujahrskonzert, Kongresshaus Stadthalle

Polkas, Pfeffer, Pferdeäpfel

„Sein Festliches Neujahrskonzert gab das Orchester unter der agilen Leitung seines Dirigenten Thomas Fey in der Heidelberger Stadthalle, wie gewohnt zweimal nacheinander. Wenn es noch keine Eurovisionshymne gäbe – Händels Festlicher Marsch aus ‚Joshua‘ würde sich bestens dazu eignen, umso mehr, wenn dieser so kraftvoll hymnisch und mit solch geballter barocker Wucht gespielt wird wie von den Sinfonikern. Nichts war’s mit gemütlicher Bootspartie auf der Themse und entsprechend beschaulicher Begleitmusik dazu: Ouvertüre und Hornpipe aus Händels ‚Wassermusik‘ wurde zu einer veritablen Schlachtenmusik, ganz so, wie es König George II. liebte ... Genau so lieben es die Heidelberger Sinfoniker und ihr Leiter Thomas Fey: den Furor eines Werkes erwecken, beschauliche Klangwelten aus den Angeln zu heben. Die Ouvertüre zu Mozarts „Figaro“ erklang absolut furios, in loderndem Wirbelsturm, die Welt aus den Fugen bringend. Die bösen Geister vertreiben soll „Die Zauberharfe“ in Schuberts gleichnamiger Oper, und so, wie die Ouvertüre dazu hier musiziert wurde, dürften alle bösen Geister den Sprung ins Neue Jahr kaum überlebt haben. Nicht bei diesem kraftvoll befeuerten heroischen Tutti.
In prickelnde Hochstimmung und zündenden Schwung kamen ebenso die Ouvertüren von Haydn und Salieri, und nicht minder die zu Rossinis ‚Wilhelm Tell‘ ... All diese Stücke erhielten nicht nur mitreißende Kraft durch die beherzten Tempi und explosiven Akzente, sondern gleichfalls ungemeine Frische durch eine äußerst ausgefeilte klangliche Belichtung, durch feinschattierte Dynamik und differenzierte, detailscharfe Farbregulierung. Die Violinen sind hier nicht der Schlagobers, der alles cremig dick überdeckt, vielmehr sind die Bläser tonangebend und beleuchten Stimmen, die bei anderen Orchestern meist untergehen. Und die Heidelberger Sinfoniker wissen, dass eine Strauß-Polka zünden muss. Erst recht dann, wenn sie ‚Unter Donner und Blitz‘ oder ‚Par Force‘ heißt ...“

Rhein-Neckar-Zeitung, 3. Januar 2006