Joseph Haydn: Sinfonien Vol. 17

Joseph Haydn: Sinfonien Vol. 17
hänssler Classic CD 98.633
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Sinfonie Nr. 1 D-Dur
Sinfonie Nr. 4 D-Dur
Sinfonie Nr. 5 A-Dur
Sinfonie Nr. 10 D-Dur

Heidelberger Sinfoniker
Leitung: Thomas Fey

Erschienen: Juni 2012
Aufnahme: Juli 2011

 

Kritiken zu dieser CD

Der Komponist Joseph Haydn war ausgesprochen produktiv. So schuf er weit über 100 Sinfonien und prägte die sinfonische Form entscheidend. Thomas Fey und die Heidelberger Sinfoniker legen hier die 17. Veröffentlichung ihrer Haydn-Gesamteinspielung vor.

Thomas Fey und die Heidelberger Sinfoniker haben sich eine große Aufgabe vorgenommen, die CD-Kompletteinspielung eines der produktivsten klassischen Sinfoniker: Joseph Haydn (1732-1809). Der Komponist hat in seinem Leben weit über 100 Sinfonien geschaffen und war dabei einer der prägendsten Formgeber der klassischen Sinfonie. So prägte er durch seine Werke die lange Zeit übliche Aufteilung in vier Sätze oder die Sonatenhauptsatzform.

Frühe Sinfonien Haydns

Mittlerweile sind die Musiker um Thomas Fey bei der 17. Veröffentlichung ihrer Gesamteinspielung angekommen. Darauf gibt es frühe Sinfonien des Tonschöpfers zu hÖren, die 1., 4., 5. und 10. Sinfonie, geschaffen in den Jahren zwischen 1757 und1761. In ihnen zeigen sich die noch weniger verfestigte Gestaltungsformen der Gattung. So sind die auf dieser CD zu hörenden Sinfonien fast alle dreisätzig.

Hervorragendes Handwerk ohne Routine

Es ist spannend, zu hören, wie der spätere Meister und frühe Vollender der sinfonischen Form in seinen Frühwerken nach Ausdruck strebt. Haydn zeigt seine handwerkliche Kunst, die jedoch noch nicht so routiniert ist, wie in seinen späteren Werken. Die Aufnahme mit den Heidelberger Sinfonikern fühlt sich den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis verpflichtet. So sind die verwendeten Bläser historische Instrumente, was für eine authentische Beurteilung der sinfonischen Leistung Haydns sehr hilfreich ist. Diese Aufnahme ordnet sich gleichwertig zu den bestehenden dieser Reihe ein. Eine Empfehlung, nicht nur für Liebhaber Haydns.

MDR

Und wie das rauscht! Die Streicher, Holzbläser und Hörner setzen zu einem richtigen Raketenstart an. Das Ziel: die (später so bezeichnete) Wiener Klassik. Kaum zu glauben, dass sich der junge Haydn mit dieser Sinfonie D-Dur als Erstlingswerk empfahl. Na gut, er war im Vergleich zu den Kollegen eher Karrierespätzünder, als er beim Grafen Morzin seine erste Dienststelle antrat, aber seine Hausaufgaben hatte er gemacht. übermütige, spritzige Läufe, gestützt von fein verwobenen Gegenstimmen, die der gefällig polierten Oberfläche musikalisches Gewicht verleihen. Dazu eine ansteckende Lust am Hakenschlagen, an überraschenden Wendungen, Wirbeln und Trillern. Mit gerade einmal zwölf Musikern beginnt Haydn seine Entdeckungsreise im Reich sinfonischer Möglichkeiten, die sehr bald untrennbar mit seinem Namen verbunden sein werden.

Und diesem Haydn der Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey glaubt man das. Auch in der nunmehr siebzehnten Folge ihrer Gesamteinspielung fliegt wieder der Staub, blitzt die kompositorische Brillanz und ist Haydn alles – nur nicht der altväterliche „Papa“. So aufgeräumt im Orchesterklang, präzise in den Hochgeschwindigkeits-Läufen, mal gepfeffert und mal sehnsuchtsvoll ausgesungen kriegt man diese Sinfonien derzeit nirgends. Würden sie doch nur häufiger so im Konzertsaal serviert, das Publikum ließe den Hauptgang bereitwillig stehen.

Carsten Hinrichs, Rondomagazin

Entstehung einer Gattung

Mit dem ehrgeizigen Projekt, der Gesamteinspielung aller Sinfonien Haydns, sind Thomas Fey und die Heidelberger Sinfoniker am Ende nun mehr bei der siebzehnten Folge angekommen.
Die Sinfonie ist, das darf man wohl etwas pathetisch sagen, die bedeutendste Instrumentalgattung, die unsere westliche Musikgeschichte hervorgebracht hat. Kaum ein Komponist, der sich an dieser Gattung nicht wenigstens versucht hat, auch wenn dies für viele nach Beethoven bekanntermaßen gar nicht so leicht war. Diese Probleme hatte Joseph Haydn natürlich noch nicht; er hat sich bei seinen 104 offiziellen und ein paar weiteren inoffiziellen Sinfonien unbekümmert ans Werk gemacht.

Eine Gattung in den Kinderschuhen

Freilich, Geburtshelfer der Gattung war Haydn nicht wirklich, das Kind hatte sogar schon seinen Namen. Haydn traf vielmehr auf die Sinfonie, als diese gerade die ersten Gehversuche wagte. So hatte er die Möglichkeit, diese in der Entstehung befindliche Gattung zu formen und sie schließlich in die Gestalt zu bringen, die wir heute allgemein mit der klassischen Sinfonie assoziieren. Ohne den Experimentator Haydn, wie ihn Fey im Vorwort nennt, wäre vermutlich alles ganz anders gekommen.

Individueller Zugang und historisch orientiertes Klangbild

Dass Thomas Fey inzwischen als großer Haydn-Kenner gelten darf, ist nach all den Einspielungen fast selbstverständlich. Das kommt besonders diesen Frühwerken zugute. Den äußerlich noch recht unterschiedlichen Sinfonien, in denen Haydn allerhand in Bezug auf Form und musikalische Mittel ausprobierte, begegnet Fey mit jeweils eigenem Zugang. Haydns Witz und Entdeckerfreude, die den späten Sinfonien ihre Individualität verleihen, sind hier bereits angelegt und bei den Heidelberger Sinfonikern in den besten Händen. Der kammerorchestral besetzte Klangkörper mit historischen Blechblasinstrumenten verspricht zudem ein transparentes Klangbild und dürfte den musikalischen Begebenheiten zu Haydn Lebzeiten recht nahe kommen. Fey legt Wert auf Tempo und seine akzentuierten Rhythmen überlassen dabei nichts dem Zufall. Die einzige Gefahr besteht darin, dass das Ergebnis manchmal etwas zu buchstabiert klingt, wie etwa im 'Allegro' der Sinfonie Nummer Fünf. Doch sei’s drum, Vitalität ist besser als Langeweile – und langweilig ist diese CD nun wirklich nicht. Der Booklettext fügt sich dabei mit seinen herrlich ironischen Einschüben passend in das Gesamtbild.
FÜr den HÖrer kann es ebenfalls hilfreich sein, sich Haydn großes Schaffen chronologisch rückwärts zu nähern. Auf diese Weise ist es möglich, diesen Frühwerken, die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdienen und gleichzeitig Augen- oder vielmehr Ohrenzeuge der Entstehung der Gattung Sinfonie zu werden.

Simon Chlosta

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