Joseph Haydn: Sinfonien Vol. 7

Joseph Haydn: Sinfonien Vol. 7
hänssler Classic CD 98.268
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Sinfonie Nr. 69 C-Dur "Laudon"
Sinfonie Nr. 86 D-Dur
Sinfonie Nr. 87 A-Dur

Heidelberger Sinfoniker
Leitung: Thomas Fey

Erschienen: 2006
Aufnahme: 2006

 

Kritiken zu dieser CD

Neben dem jüngst begonnenen Mendelssohn-Projekt arbeiten die Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey bereits einige Jahre an ihrer Gesamteinspielung der Haydn-Sinfonien. Vielleicht kann gerade deswegen das enorm hohe Niveau gehalten werden, weil den einzelnen Aufnahmeprojekten genügend Vorbereitungszeit eingeräumt wird. Auch diesmal präsentiert Thomas Fey und seine hörbar lustvoll zu Werke gehenden Musikerinnen und Musiker Haydns ‘affektgeladene Kontrast-Musik’ (wie der Dirigent im einleitenden Bookletkommentar Haydns Sinfonien beschreibt) mit einem Höchstmaß an Energie und Spielfreude. Den siebten Teil des Haydn-Zyklus bilden die Sinfonien Nr. 69 in C-Dur (‘Laudon’), Nr. 86 in D-Dur und Nr. 87 in A-Dur: drei spritzige, witzige und sehr unterhaltsame Werke.

Selten findet man zwischen zwei in ihrer interpretatorischen Grundhaltung verschiedene Einspielungen desselben Werkes auch analog im Booklettext deren Charakteristik ausgeprägt. Vergleicht man die Einspielung von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 69 mit dem Beinamen ‘Laudon’ in der Aufnahme von Christopher Hogwood mit der vorliegenden, so scheint die musikalische Gestaltung in der Tat bereits im kommentierenden Beihefttext vorweg genommen. James Webster, der Haydn-Spezialist zeichnete für den Text zu Hogwoods Einspielung mit der Academy of Ancient Music verantwortlich. Webster schreibt über diese Sinfonie, sie sei ‘unmittelbar zugänglich und satztechnisch mit leichter Hand gearbeitet; [sie] bewege sich innerhalb vertrauter Stile und Konventionen und weist nur wenige Stellen von expressiver Intensität auf.’ So in etwa lässt Hogwood auch die Sinfonie spielen. Der Autor des Booklets zu Thomas Feys Einspielung dagegen hebt die bemerkenswerten Eigenheiten der Sinfonie hervor – das passt hundertprozentig zu Feys leidenschaftlicher, aufregender Interpretation.

Die Heidelberger Sinfoniker zeigen hier einmal mehr eine exzellente Spielkultur. Wohl kaum ein Ensemble der Gegenwart widmet sich derart lustvoll und mit äußerster Delikatesse den feinen Geweben Haydn’scher Sinfonik. Thomas Fey setzt knochentrockene Akzente, schlägt flotte Tempi an, reizt dynamische Kontraste auf wirkungsvolle Weise aus und spitzt damit die Dramatik in Haydns Sinfonien messerscharf zu. Dabei agieren die Heidelberger Sinfoniker wunderbar schlank und rank im Klang, kraftvoll, mit ‘körnichten’ Akzenten, reizvoll durchdringenden Blechbläsern, die dem konturenscharfen Klangbild eine herrlich ungeglättete Oberfläche verschaffen. Alle Gruppen agieren intonatorisch auf höchstem Niveau, die Abstimmung zwischen den Instrumentengruppen ist perfekt und vor allem die sehr delikate Phrasierungskunst von hoher Ausdruckskraft. Die abwechslungsreichen, kontrastgeprägten Allegri wirken in ihrem kraftvollen Drang nach vorne ebenso überzeugend interpretiert wie die mit liebevoller Klanggestaltung exzellent austarierten langsamen Sätze.

Bei diesen elektrisierenden Interpretationen bleibt man unweigerlich ständig auf der Stuhlkante sitzen. Die Musiker legen sich mit vollem Elan für Thomas Fey ins Zeug – das Ergebnis ist phänomenal. Aufstachelnder könnte man die Kontraste nicht heraus arbeiten, die prägnanten Themen kaum schwungvoller angehen, den Geist dieser Musik nicht präziser treffen. Beispielhaft für die liebevolle Gestaltung darf das ‘Menuet’ aus der Sinfonie Nr. 69 stehen. Mit rustikaler Betonung der Takteins wirken die anschließenden Betonungsverschiebungen viel effektvoller, viel aussagekräftiger als in vielen anderen Einspielungen, die gerade mit den Tanzsätzen in Haydns Sinfonien oft lapidar umgehen. Hier wird die Bodenständigkeit der Haydn’schen Sinfonik ohrenfällig, der musikantische Schwung zusätzlich durch perfekt inszenierte agogische Freiheiten akzentuiert.

Dass die Transparenz des Orchesterklangs einen erfrischenden Blick auf Haydns Musik frei zu geben imstande ist, liegt auch an der sehr guten Klangqualität. Die eher trockene Akustik der Aufnahmeräume scheint für die Klangvorstellung Thomas Feys bestens geeignet; der Klang ist wunderbar direkt, die Balance stets vorbildlich – sofern man es mag, wenn auch mal der kernige Blechsound der Naturinstrumente in den Vordergrund rückt. Damit gelingt Thomas Fey und den Heidelberger Sinfonikern ein weiterer Mosaikstein höchster Qualität auf dem Weg zur Haydn-Gesamteinspielung.
www.klassik.com, Deutschland

„In Haydns kraftstrotzenden Sinfonien 69, 86 und 87 liefern Fey und sein Orchester prächtige, farbige, lyrische und insgesamt hinreißende Lesarten mit klar definierten Texturen, gemeißelten Akzenten, kräftigen Rhythmen und einem immensen Sinn für Humor. Kurzum: schlicht ideal!“

www.allmusic.com (USA)

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